#4genderstudies: Genderforschung in der (Europäischen) Ethnologie

Kommentar von Beate Binder und Sabine Hess

Liebe Kolleg*innen,

Geschlechterforschung ist aus der Europäischen Ethnologie /
Kulturanthropologie / Volkskunde schon seit langem nicht mehr
wegzudenken: Die Frage nach der Funktionsweise geschlechtlicher
Differenzierungen und der Wirksamkeit von Geschlechterbildern gehört
ebenso wie die Untersuchung der Verschiebung und/oder Stabilisierung der
Geschlechterverhältnisse in spezifischen zeiträumlichen Kontexten zu den
produktiven Forschungsperspektiven des Fachs.

Dies zu betonen, erscheint auf den ersten Blick mehr als überflüssig.
Doch in letzter Zeit häufen sich die Angriffe auf Geschlechterforschung
und es wird – nicht nur durch rechtspopulistische Strömungen – deren
Wissenschaftlichkeit grundsätzlich in Frage gestellt. Offensichtlich
sind Geschlecht und Sexualität einmal mehr zum  Schauplatz
gesellschaftlicher Auseinandersetzungen geworden. Dabei geht es nicht
allein um Fragen von Geschlechtergerechtigkeit und sexueller Vielfalt,
sondern ganz grundsätzlich um die Anerkennung unserer ethnographischen,
gegenwartsorientierten wie historisch rekonstruktiven, oftmals
explorativen und kritischen Forschungspraxis.

Als Sprecherinnen der Kommission Frauen- und Geschlechterforschung in
der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde möchten wir anlässlich des
heutigen bundesweiten Aktionstags zur Sichtbarmachung der
Geschlechterforschung  (#4genderstudies am 18.12.2017) daher dazu
anregen, an allen Standorten unseres Vielnamensfachs auf die Bedeutung
der Geschlechterperspektive aufmerksam zu machen und zugleich zu
diskutieren, wie unser Fach sich in die gegenwärtigen
Auseinandersetzungen mit eigenen Forschungen einbringen kann. Gerne
können Sie auch eigene Beiträge zur Geschlechterforschung unter
#4genderstudies posten und damit zur Sichtbarkeit auch europäisch
ethnologischer Geschlechterforschung und deren Produktivität beitragen.

In diesem Sinn wünschen wir Ihnen / Euch produktive Feiertage und einen
guten Start für 2018!
Mit besten Grüßen
Beate Binder und Sabine Hess

Zum Nachlesen ein Post Skriptum: Neben der Homepage der Kommission haben
wir die Produktivität der Geschlechterforschung für die EE/KA/VK in den
letzten Jahren unter anderem in folgenden Publikationen dargestellt:

Binder, Beate (2017): (Europäische) Ethnologie: reflexive Ethnografien
zu Geschlecht und Geschlechterverhältnissen, in: Beate Kortendiek et al.
(Hg.): Handbuch Interdisziplinäre Geschlechterforschung. Wiesbaden:
Springer Fachmedien Wiesbaden, 1-9, doi: 10.1007/978-3-658-12500-4_120-1.

Binder, Beate, Friedrich von Bose et al. (Hg.) (2013): Eingreifen,
kritisieren, verändern!? Interventionen ethnographisch und
gendertheoretisch. Münster: Westfälisches Dampfboot.

Hess, Sabine, Nikola Langreiter et al. (Hg.) (2011): Intersektionalität
revisited: empirische, theoretische und methodische Erkundungen. Kultur
und soziale Praxis. Bielefeld: transcript.

Binder, Beate (2010): Feminismus als Denk- und Handlungsraum. Eine
Spurensuche, in: Michaela Fenske (Hg.): Alltag als Politik – Politik im
Alltag. Dimensionen des Politischen in Vergangenheit und Gegenwart. Ein
Lesebuch für Carola Lipp. Berlin: Lit, 25-43.

Zur aktuellen Debatte siehe unter anderem den aktuellen Blogeintrag der
Feministischen Studien:
http://blog.feministische-studien.de/2017/12/feministische-studien-in-zeiten-der-daemonisierung-der-geschlechterforschung/

Link zum Tweet: https://twitter.com/gender_berlin/status/942809461122531328?s=17

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