Kolloquium: Inter* und biopolitische Regulierung von Geschlecht im 20./21. Jahrhundert; HU Berlin, ZtG 12.6.2014

– sorry for cross-posting –

Wir laden herzlich ein zum:

Wissenschaftliches Kolloquium des ZtG
Inter* und biopolitische Regulierung von Geschlecht im 20./21. Jahrhundert

Zeit: Donnerstag, der 12.06.2014, 14-18 Uhr
Ort: Unter den Linden 6, Raum 2103

Kultur- und sozialwissenschaftliche Studien heben vor allem den repressiven Umgang von Medi­zin, Recht und Gesellschaft mit intergeschlechtlichen Menschen hervor. Doch ist diese Analyse für ein kritisches Verständnis des Umgangs mit Inter* im 20./21. Jahrhundert ausreichend? Was hat Ärzt_innen und Eltern seit den 1950er Jahren dazu gebracht zu glauben, dass es das Beste für intergeschlechtliche Kinder sei, sie frühzeitig hormonell und chirurgisch geschlechtlich anzupas­sen? Und wie lässt sich die gegenwärtige Situation analysieren, in der Regierung und Medizin mit Gesprächsangeboten und Veränderungsvorschlägen die Proteste von Inter*-Organisationen ent­schärfen wollen? Wie können auch nicht-repressive Machtmechanismen kritisch in den Blick ge­nommen werden? Michel Foucault‘s Konzept der Biomacht gibt dazu Anregungen. Es weist darauf hin, dass sich in der Moderne Disziplinierungspraktiken mit Machttechniken der Optimierung des Lebens der Bevölkerung, mit Kontrolle und Stimulierung integrativ-normalisierender Selbstregulie­rung überlagern. In den Fokus geraten somit gesellschaftliche Praktiken, die den Wahrnehmungs- und Vorstellungshorizont so bestimmen, dass es undenkbar und unlebbar scheint, Geschlechter­normen nicht zu erfüllen. Auf der anderen Seite stellen sich für intergeschlechtliche Menschen medizinische Eingriffe in der frühen Kindheit, die ohne ihre Zustimmung erfolgen, als gewaltvolle normative Zurichtung dar. Zudem läuft der vermehrte Einsatz von Pränataldiagnostik mit der Konsequenz von Abtreibungen auf eugenische Selektion hinaus. Das Kolloquium führt Vorträge zu unterschiedlichen Thematiken rund um Inter* zusammen, um zu diskutieren, wie Selektion, paternalistische Bevormundung intergeschlechtlicher Menschen und gewaltvolle Zurichtung ihrer Körper mit subtilen biopolitischer Machtmechanismen der Selbstregulierung ineinander greifen.

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Programm:

14:00 Uhr : Begrüßung

14:05 – 14:40 Uhr: Introduction: Intersex Between „Making Live“ and „Letting Die“: Biopolitics and the Medicalisation of „Ambiguous“ Sex
Ulrike Klöppel (HU Berlin)

14:40 – 15:40: The Biomedicialization of Intersex: the U.S. and Sweden as Case Studies
Erika Alm (University of Gothenburg)

15:40 – 16:40 Uhr: Doctors and Intersex Activists: Examining the Conditions of their Interactions
Janik Bastien Charlebois (Université du Québec à Montréal)

Moderation: Todd Sekuler (Berlin)

16:40 – 17:00 Uhr Kaffeepause

17:00 – 18:00 Uhr: „Das ist mein Körper!“ – Zur Bedeutung von Zurichtungserfahrungen und Emanzipationsstrategien in intergeschlechtlichen Biographien.
Anja Gregor (Universität Jena)

18:00 – 19:00 Uhr: „As an intersexual…“: Intersex Testimonials zwischen Identität und Intervention
Michaela Koch (Universität Oldenburg)

Moderation: Eveline Kilian (HU Berlin)

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