Vortrag von Luce Irigaray am 22.4.2019 in Mainz

Liebe Freund*innen und Kolleg*innen,

das Graduiertenkolleg „Life Sciences – Life Writing“ veranstaltet einen öffenlichen Abendvortrag mit Luce Irigaray, zu dem ich euch alle herzlich einladen möchte.

Am 24. April haben wir das Vergnügen, Luce Irigaray in Mainz begrüßen zu dürfen. Sie hält einen öffentlichen Abendvortrag, der sich einer Analyse des Geborenwerdens widmet.

Jedes lebende Wesen werde nicht etwa zur Welt gebracht, sondern bringe sich selbst zur Welt. Veranschaulicht werde dies am deutlichsten im Überlebenswillen eines Neugeborenen, das sich in gewisser Weise dazu entscheidet, von selbst zu atmen. Die damit verbundene Zugehörigkeit zu einer inneren, relationalen Natur müsse sich kultivieren und sei nur erfolgreich, sofern man die Kraft des Lebens nicht durch (zum Teil kulturell vermittelte) Individuierung übertönt.

Dies sei für ein verantwortungsvolles Leben ausschlaggebend, da die materiell-kulturelle sexuelle Individuierung nämlich das Bindeglied zwischen Selbst und Anderen/ Anderem sei. So gelte es daher, die Natur (und nicht die Vermitteltheit) der Individuierung zu pflegen, um Verantwortung für sowohl das eigene als auch das andere Leben zu übernehmen und der wechselseitigen Eingebundenheit Rechnung zu tragen. „Unfortunately, we forget the power of life. Obviously, life cannot remain a flow lacking in differentiation, but it must become incarnate in each with a specificity and finiteness provided by nature itself. Our genus or sexuate belonging is the morphological structure which can act as a first individuation which allows each of us to gather with ourselves and to open to the other without losing ourselves in the abstract universality of an anonymous life.“, so Luce Irigaray.

Dieses Jahr feiert das viel beachtete und kontrovers diskutierte „Speculum“ sein 45-jähriges Bestehen und Irigaray spricht mit Rückgriff auf ihre 2017 erschienene Monografie „To Be Born“ über die menschliche Existenz, die ihren Ursprung in einer Zweiheit findet. Dennoch sei das aus dieser Zweiheit entsprungene Selbst verantwortlich für die Vielheit des (eigenen und anderen) Lebens und der Natur. Das Motiv des Spannungsverhältnisses aus Selbst, Zweiheit und Vielheit zieht sich nicht zuletzt seit „Das Geschlecht das nicht eins ist“ (dt. 1977) oder der „Ethik der Sexuellen Differenz“ (dt. 1991) durch Irigarays Denken. In den letzten Jahren hat sie es auf Fragen der menschlichen Eingebundenheit in sozial-ökologische Verhältnisse angewendet. „Sharing the World“ (2008), „Through Vegetal Being“ (2016) und „To be Born“ (2017) veranschaulicht, dass dem Menschen qua Geborensein zukommt, als Teil einer heterogenen Welt das sich selbst gegebene und mit anderen/m geteilte Leben erblühen zu lassen.

Luce Irigaray ist feministische Philosophin und Psychoanalytikerin. Seit 45 Jahren wird sie in der feministischen Theorie kontrovers rezipiert (durch u.a. Judith Butler, Tove Soiland und Elizabeth Grosz) und gilt als einschlägig für kontinentalphilosophische Spielarten der feministischen Epistemologie und Wissenschaftskritik.

Der Vortrag findet im Fakultätssaal (01-185) des Philosophicums, Jakob-Welder-Weg 18, 55128 Mainz der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Er ist veranstaltet vom DFG-Graduiertenkolleg „Life Sciences – Life Writing: Grenzerfahrungen menschlichen Lebens zwischen biomedizinischer Erklärung und lebensweltlicher Erfahrung“

Hier ist die Veranstaltung offiziell von der Uni Mainz beworben: https://www.facebook.com/events/639333296520079/

Ich würde mich freuen, wenn ihr und Sie die Ankündigung mit verbreiten/t!

Ich würde mich freuen, wenn ihr die Ankündigung mit verbreitet!


Anastassija Kostan, M.A.
Doktorandin – PhD Candidate
Graduiertenkolleg Life Sciences – Life Writing
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
Am Pulverturm 13
55131 Mainz
E-Mail: kostan@uni-mainz.de
Web: http://www.grk.lifesciences-lifewriting.uni-mainz.de

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