Gender[ed] Thoughts Nr. 2 – Zur symbolischen Kastration von traditionellen Männlichkeiten. Von Julia Schwanke

Liebe Mitglieder und Interessierte,

wir freuen uns Sie auf die zweite Ausgabe der Gender[ed] Thoughts hinweisen zu können.

Zur symbolischen Kastration von traditionellen Männlichkeiten
Elfriede Jelineks Prosa als doppelte Gesellschaftskritik
Von Julia Schwanke

https://www.uni-goettingen.de/de/gender%5bed%5d+thoughts/535889.html

Die österreichische Schriftstellerin Elfriede Jelinek (*1946) gilt als Autorin, die durch die überspitzte Darstellung der männlichen Herrschaft patriarchale Herrschaftsformen kritisiert. Der vorliegende Beitrag analysiert zwei Romane Jelineks der 1980er Jahre aus gendertheoretischer Sicht: Die Ausgesperrten und Die Klavierspielerin. Es wird gezeigt, dass Jelinek über eine einfache Patriarchatskritik hinausgeht, indem sie die männliche Herrschaft ad absurdum führt – sie führt symbolisch kastrierte Männlichkeiten als Persiflage einer traditionellen Männlichkeit vor. Für die Analyse werden soziologische geschlechts- und klassentheoretische Ansätze mit einer Methode zur Figurenanalyse verbunden. Michael Meusers Ansatz, welcher Raewyn Connells Konzept der hegemonialen Männlichkeit mit Pierre Bourdieus Habitus-Konzept verbindet, wird in die Figurenanalyse Jens Eders integriert. Dadurch wird die Performanz von Männlichkeit in Jelineks Prosa sichtbar(er) gemacht und in den Kontext einer doppelten Distinktions- und Dominanzlogik eingeordnet. Im Zuge der Analyse wird deutlich, dass die männlichen Figuren, welche sich bei der Konstruktion ihrer Männlichkeit am Ideal der hegemonialen Männlichkeit orientieren, zum Scheitern verurteilt sind. Sie können den Anforderungen, die das Patriarchat mit der Verkörperung einer hegemonialen Männlichkeit an sie stellt, nicht gerecht werden. Jelinek kastriert sie symbolisch.

Neue Beiträge können kontinuierlich eingereicht werden. Wenden Sie sich an: genderedthoughts@uni-goettingen.de

Mit freundlichen Grüßen aus dem GCG

Svenja Schurade

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