Symposium: „Gendered Spaces – Spatialized Gender“, 24.-26.10.2013, Universität Kassel

Graduierten-Symposium:

Gendered Spaces / Spatialized Gender – Synthese und Perspektiven der Konstitution von Raum und Geschlecht

24.-26. Oktober 2013; Universität Kassel

www.raum-geschlecht.gwdg.de

Call for Papers / Call for Posters

Deadline: 25. Mai 2013

Raum ist überall. Ebenso wie die Kategorie Geschlecht ist er präsent in Alltag und Wissenschaft. Hierzu trugen vor allem die Institutionalisierung der Geschlechterforschung sowie der so genannte spatial turn bei. Besonders in kulturwissenschaftlichen Kontexten liefern raum- bzw. geschlechtsorientierte Ansätze vielfältige Forschungsergebnisse und Erkenntnisperspektiven, die das Potential sozialkonstruktivistischer Konzeptionen von Raum und Geschlecht gegenüber naturalistischen Ansätzen verdeutlichten.

Die Tatsache, dass mittlerweile die Rückbindung an materielle Gegebenheiten wieder stärker betont wird, ist nicht nur als Gegen-, sondern vielmehr als Weiterentwicklung der Dekonstruktion naturalistischer Gender- und Raumkonzeptionen zu verstehen. Damit einher geht eine Verbindung von topographischem und topologischem Fokus, die dazu führt, dass die materiell-räumliche Anordnung von Personen oder Dingen stets in Verknüpfung mit ihrer sozialen Relevanz und Position betrachtet wird. Gleichzeitig werden auch die materiellen Gegebenheiten von Geschlechtlichkeit wieder zunehmend herausgestellt, ohne dabei die soziale Konstruktion außer Acht zu lassen. Nicht nur aus der vergleichbaren Ausgangslage – also der vorläufigen Dekonstruktion des Materiellen und deren anschließender Relativierung – sondern insbesondere aus den sich bedingenden Aspekten der Generierung sozialer Ordnungsmuster wird augenscheinlich, dass Raum nicht ohne Geschlecht zu denken ist und vice versa. Zu den drängenden Forschungsfragen gehört daher diejenige nach der Verschränktheit von Raum und Geschlecht.

Die Wechselwirkungen von Raum und Geschlecht und die damit einhergehenden Machtverhältnisse und sozialen Positionierungsprozesse sind in ihren reziproken Bedingtheiten bisher weitestgehend eine Leerstelle geblieben. Um diese komplexen Zusammenhänge zu untersuchen, scheint es nötig, den (synthetisierten) Mehrwert der beiden Kategorien näher zu beleuchten. Somit ergeben sich drei Fragen:

1.) Wie können vergeschlechtlichte Kategorien im und durch den Raum neu gelesen werden?

2.) Welche Modelle und Methoden eignen sich, um die Dynamiken von Raum und Geschlecht zu analysieren?

3.) Können diese Modelle für alle Epochen und Quellen fruchtbar gemacht werden?

Auf diesem Symposium, das Bilanz zieht nach drei Jahren Kollegsarbeit, werden erste Ergebnisse präsentiert, um einen Austausch mit externen Wissenschaftler_innen herzustellen. Daher laden wir zu Raum und Geschlecht arbeitende Nachwuchswissenschaftler_innen ein, Bewerbungen für Vorträge oder Poster einzureichen. Diese sollen sich in-haltlich an vier Themenfeldern orientieren, in denen die wechselseitigen Durchdringungen und Abhängigkeiten von Raum und Geschlecht analysiert werden können: einem grundlegendem Theoriefeld und drei inhaltsanalytischen Feldern, die die Dimensionen der Verflechtung, der Verortung und der Verkörperung umfassen.

Inhaltliche Ausrichtung der Panels:

Das erste Panel des Symposiums stellt „Dimensionen des Theoretischen“ und damit die konkrete Verbindung von Raum und Geschlecht als Analysekategorien in den Mittelpunkt. Es sollen unterschiedliche fachliche und interdisziplinäre Zugänge vorgestellt werden, die wechselseitige Dynamiken erfassen und sichtbar machen, auch unter Berücksichtigung anderer Differenzkategorien wie z.B. Ethnizität oder Klasse. So können beispielsweise selbst entwickelte Analyserahmen und Weiterentwicklungen von bereits vorhandenen theoretischen Konzepten diskutiert werden. Auch Chancen und Probleme, die die Arbeit mit diesen Theorien mit sich bringt, sollen differenziert betrachtet und kritisch reflektiert werden.
Im Panel „Dimensionen der Verortung“ soll erstens die narrative Ausgestaltung von konkreten Orten und Schauplätzen und den damit einhergehenden Entwürfen von Geschlecht(lichkeit) im Fokus stehen. Dieses Panel bietet Möglichkeiten für Fragen nach der Subjektverortung und -positionierung: Wie wird ‚Raum’ einerseits durch Handlungen generiert; in welcher Beziehung stehen diese Handlungen andererseits zu strukturellen Geschlechterverhältnissen und topographischen Ordnungsmustern? Wie wird in aktuellen und historischen Wissensräumen Geschlecht in Prozessen der Wissensgenerierung verhandelt?
Das Panel „Dimensionen der Verkörperung“ wendet sich der Darstellung und Diskursivierung des Phänomens Leiblichkeit/Körperlichkeit unter Berücksichtigung von sowohl Körper- als auch Raumtheorien zu: Welchen Mehrwert bieten Dynamiken von Raum und Geschlecht für die Analyse historischer und gegenwärtiger Diskurse und Narrationen des Leiblichen/Körperlichen? Welche Wechselbeziehungen bestehen zwischen medialen Dar-stellungen des Leiblichen/Körperlichen einerseits und kulturellen Praktiken andererseits?
Das Panel „Dimensionen der Verflechtung“ soll zum einen auf einer eher theoretischen Ebene Fragen nach den Verschränkungen von Struktur und Praxis aufwerfen. Wie können diese produktiv gemacht werden für eine raum- und geschlechtersensible Analyse, die essentialisierende Kategorisierungen hinterfragt? Zum anderen sollen die Dynamiken von globalen und lokalen Bewegungen, Interaktionen und Strömen ausgelotet werden: Inwiefern sind zum Beispiel Mobilitäten abhängig von Geschlechterordnungen und räumlichen Anordnungen bzw. wie werden diese durch die Bewegungen von Subjekten und Objekten neu verhandelt?

Das Symposium richtet sich an Promovierende und Post-Docs. Abstracts für Vorträge oder Poster zu einem der Panel werden erbeten bis zum 25. Mai 2013 (500 Wörter und kurze biografische Notiz). Die Vorträge sollten die Länge von 20 Min. nicht überschreiten. Die jeweiligen Panel werden kommentiert von Wissenschaftler_innen, die während der Laufzeit des Graduiertenkollegs für einen Forschungsaufenthalt eingeladen waren. Die Vorträge können auf Deutsch oder auf Englisch gehalten werden. Reise- und Übernachtungskosten können unter Umständen übernommen werden.

Kontakt:

Sonja Lehmann, M.A.: slehman2@gwdg.de
Julia Elena Thiel: jthiel@gwdg.de
Heinrich-Düker-Weg 10, Raum 0.134
37073 Göttingen

Symposium Gender Spaces, Spatialized Gender Kassel

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