Cfp: Kampf um Images – Giessen 9.-10.11.12
Veröffentlicht | von MaLu | am April 5, 2012 | unter Call for paper | Bisher keine Kommentare
Prof. Jörn Ahrens; Prof. Lutz Hieber; Dr. York Kautt
09.11.2012-10.11.2012, Giessen
Deadline: 26.05.2012
Der Kampf um Bilder, um ihre Herstellung, ihren Einsatz, ihre Rezeption und Bedeutung reicht sehr weit in die Kulturgeschichte zurück. Frühe Beispiele finden sich im Bereich religiöser Darstellungen oder der Ikonographie von Macht und Herrschaft – etwa als ikonoklastische Bewegungen oder Auseinandersetzungen um den Bildleib des Königs.
Von einem Kampf um Images zu sprechen bedeutet, einem Medienumbruch und einem damit zusammenhängenden soziokulturellen Wandel Rechnung zu tragen, mit dem die Kämpfe um Bilder neue Formen und Funktionen annehmen. Denn mit der Einführung technischer Bildmedien verändern sich der Stellenwert und die Bedeutung öffentlich kommunizierter Bilder und der daran angeschlossenen Formen der Vergesellschaftung und damit auch die bildbezogenen Konfliktlagen: Zum einen verkoppeln ‘realistische’ Bilder die gezeigten Oberflächen in neuer Weise mit der Identität der in ihnen zu Erscheinung gebrachten Objekte. Zum anderen führt die technische Reproduzierbarkeit, Vermassung und Marktförmigkeit der Bilder zur Entstehung öffentlicher (Bild-)Räume, in denen die Identitäten
verschiedenster Sinnangebote primär über Bilder kommuniziert werden. Und nicht zuletzt steigern die neuen Bildmedien (beginnend mit der Fotografie im 19. Jahrhundert) die Partizipationsmöglichkeiten breiter
Teile der Bevölkerung auf der Seite der Medienproduktion.
Die Tatsache, dass das Wort ‘Image’ in den 1950er-Jahren Eingang in die Alltagssprache findet und nunmehr einen Topos der Gegenwartsgesellschaft darstellt, ist ein Indiz dieser Entwicklungen. Das Wort zielt nicht auf die in den Kunst- und Bildwissenschaften tradierte Unterscheidung von image und picture, mit der darauf hingewiesen wird, dass in visuellen
Bildern (picture) ein Sujet (image/imago) zum Tragen kommt, dass also im Medium des Sichtbaren das Unsichtbare (Vorstellungen, (Stereo-)Typen, Ideen, Theorien) angespielt wird. Es bringt vielmehr die Reflexivität im Umgang mit Bildern und deren Identitätsbezug zum Ausdruck: Man spricht von etwas als einem ‘Image’ im Bewusstsein darum, dass es sich nicht um die Identität des Objektes ‘an sich’, wohl aber um eine (visuelle) Darstellung mit Identitätsrelevanzen und -Ansprüchen handelt.
Ausgehend von diesem Befund verstehen wir unter Image-Kommunikation Prozesse der Schematisierung von Identität, in denen medial verbreitete Bilder und Bildkomplexe als Bezugsrahmen der Identifizierung und Qualifizierung sozialer Objekte (Dinge, Personen, Gruppen, Organisationen u.a.) genutzt und reflektiert werden. Dieser Prozess kann sich produktiv in der ästhetischen Produktion ebenso ereignen wie in der Medienrezeption, die eine Darstellung als Image identifiziert. Einzelne Images sind diesem Verständnis zufolge Entitäten, die im Prozess der Image-Kommunikation über Wiederholungen und Typisierungen kondensieren und durch ein jeweils spezifisches Bündel visualisierter Identitätsattribute gekennzeichnet sind. Die Bedeutungsmodulationen von ‘Image’ in verschiedenen Anwendungskontexten des Alltags haben ihren Kern, ihren Ausgangs- und Haltepunkt in den über die Verbreitungsmedien reproduzierten Bild-Images und den stärker formalisierten und professionalisierten Image-Kommunikationen (z.B. der Werbung).
Indem nun Images in die verschiedensten sozialen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontexte eingebettet sind, stehen sie notwendigerweise im Spannungsfeld unterschiedlicher Figurationen mit unterschiedlichen Interessenlagen. So kämpfen nicht nur Politiker, sondern auch Konsumprodukte, Non-Profit-Organisationen, Kirchen, soziale Bewegungen und neuerdings auch Bildungseinrichtungen (z.B. Universitäten) auf verschiedenen (Medien-) Bühnen um ‘gute’ (Bild-)Images. Image-Kämpfe liegen dabei umso näher, als unter computerisierten Medienbedingungen (u.a. Internet) die Partizipationsmöglichkeiten und damit auch die (Image-)Konkurrenzbedingungen nochmals forciert werden.
Im Unterschied zur politischen Ikonographie, die sich vorwiegend mit Visualisierungen institutionalisierter Macht beschäftigt, sollen im Rahmen der Tagung Kontexte und soziale Prozesse in den Blick genommen werden, in denen Images als Ressource der Herstellung und Erhaltung von Anerkennung, Macht und Teilhabe eine wichtige Rolle spielen. Mit dem Begriff des Kampfes können dementsprechend – Max Weber folgend – Prozesse gemeint sein, die Macht nicht voraussetzen, wohl aber als “Bewerbung um Verfügungsgewalt über Chancen” zu verstehen sind, aber auch – Foucault folgend – Widerstand, der sich als durchsetzungsfähiger Gegenspieler der Macht entfaltet. Die Tagung will Image-Kämpfe im Rahmen verschiedener gesellschaftlicher Felder und deren Auseinandersetzungspotential ergründen (Interaktionen,
Organisationen/Institutionen, Netzwerke, Kulturen, Felder, Subsysteme).
Dabei können Images von
- Weiblichkeit/Männlichkeit
- Jugend/Alter
- Modernität/Tradition
- Heteronormativität/Queerness
- sozialer Distinktion
und vielem mehr angesprochen werden.
Von Interesse können dabei Fragen wie die Folgenden sein: Mit welchen Inszenierungsformen und Semantiken werden Image-Erfolge angezielt? Welche Konkurrenzbedingungen und Regeln bestimmen im jeweiligen Kontext den Kampf um Images? Wie stehen Formen institutionalisierter und nichtinstitutionalisierter Macht im Kampf um Images in Beziehung? In welchen Bereichen und wozu sind Images Kampfmittel? Welche Bedingungen (sozialen Ordnungen) entscheiden über die Kampfmittel, das Verhalten der Image-Kämpfer und deren (Miss-)Erfolge?
Wir freuen uns auf theoretische und empirische Beiträge, die sich mit den genannten Fragen auseinandersetzen und einen Beitrag dazu leisten wollen, den “Kampf um Images” in unterschiedlichen Bereichen zu umreißen.
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Joern.Ahrens@sowi.uni-giessen.de Hieber@ish.uni-hannover.de
York.Kautt@sowi.uni-giessen.de
URL zur Zitation dieses Beitrages
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/termine/id=18868>
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