Foto-Ausstellung und Vernissage: Where love is illegal; Heinrich-Böll-Stiftung Berlin, 06.-27.11.17

Where love is illegal
Fotografien von Lesben, Schwulen, Queers und Transgender aus Tunesien

Vernissage am Montag, 06. November 2017, 18.30 Uhr – 20.00 Uhr
Ausstellung 06. bis 27. November 2017
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin
Weitere Informationen

Auf der Vernissage werden anwesend sein:
Badr Baabou, Mitbegründer und Vorsitzender der tunesischen Organisation Damj, Tunesien
Wafa Ben Haj Omar, Programmkoordinatorin, Heinrich-Böll-Stiftung Büro Tunis, Tunesien

Begrüßung:
Dr. Antonie Nord, Leitung Referat Nahost & Nordafrika der Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin
Sarah Kohrt, Hirschfeld-Eddy-Stiftung, Berlin

„Anders zu sein, ist nicht einfach.“
Mit diesen Worten beginnt Salah Barkas intimer Text, der neben seinem Portrait hängt und ohne den die großformatigen Fotografien von Robin Hammond nicht vollständig wären. Die Menschen auf den Bildern wirken stolz – und doch ist ihr Lebensweg von Demütigungen, Ausgrenzungen und Gewalt geprägt.
Homosexualität ist in Tunesien verboten und kann mit Gefängnisstrafen geahndet werden. Neben der rechtlichen Lage ist die gesellschaftliche und vor allem familiäre Akzeptanz vom „Anders-sein“ wenig verbreitet. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans* leben häufig am Rande der Gesellschaft und müssen ihre sexuelle Orientierung verstecken.
Der neuseeländische Fotograf Robin Hammond schafft mit seinem Projekt „Where Love Is Illegal“ einen Raum, in dem sie ihre Geschichten von Diskriminierung und Überleben teilen können.

Die Ausstellung wird am 06.11.2017 um 18:30 Uhr mit einer Vernissage eröffnet. Aktivist/innen aus Tunesien sind eingeladen, das Projekt vorzustellen. Anschließend besteht Gelegenheit zum direkten Austausch mit den Teilnehmenden.

Die Ausstellung läuft bis 27.11.2017

Sprache: Englisch/Deutsch
Eine Kooperation der Heinrich-Böll-Stiftung mit der Hirschfeld-Eddy-Stiftung

Information:
Sandra Nenninger, Projektmanagement Referat Nahost & Nordafrika, Heinrich-Böll-Stiftung, E-Mail nenninger@boell.de

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich

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Anmeldung für die 15. efas-Fachtagung „Geschlecht in der aktuellen Ungleichheitsdebatte“ möglich

Liebe efas-Interessierte,

Hiermit laden wir Sie herzlich zur 15. efas-Fachtagung am 1. Dezember 2017 ein. Die Tagung findet an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin am Campus Treskowallee statt. Sie steht unter dem Titel:

„Geschlecht in der aktuellen Ungleichheitsdebatte“

In einer Keynote wird Monika Queisser (OECD) die Studie „The Pursuit of Gender Equality: an uphill battle“ vorstellen, die im Oktober dieses Jahres erschienen ist. Anschließend nähern wir uns mit drei Vorträgen unterschiedlichen Aspekten des Themas an. So referiert Dr. Christina Klenner (WSI, angefragt) zu einer Frage aus dem Themenbereich „Ungleichheit und Familie“. Prof. Dr. Margareta Kreimer (Universität Graz, angefragt) widmet sich einem Teilaspekt von „Ungleichheit und Migration“. Und Friederike Beier (FU Berlin) beschäftigt sich mit Gender im Bereich „Ungleichheit und Global Governance“.

Außerdem präsentieren auch in diesem Jahr Wissenschaftlerinnen ihre derzeitigen Projekte im Forschungsforum, darunter auch Prof. Dr. Camille Logeay (HTW Berlin), die die Ergebnisse des Entgeltchecks unter Professor_innen an der HTW Berlin vorstellen wird.

Als feierlicher Programmpunkt erwartet Sie die Verleihung des efas-Nachwuchsförderpreises 2017 in Erinnerung an Prof. Dr. Angela Fiedler für exzellente wirtschaftswissenschaftliche Abschlussarbeiten mit der Schwerpunktsetzung auf Frauen- und Geschlechterforschung. Außerdem werden die Ergebnisse der diesjährigen Umfrage unter efas-Mitgliedern vorgestellt.

Im Anschluss wollen wir uns bei einem Empfang mit Getränken und Buffet weiter austauschen.

Wir bitten Sie darum, bei der Anmeldung anzugeben, ob Sie am Empfang teilnehmen wollen und von welcher Institution Sie kommen. Bei vorheriger Ankündigung können Sie auch während der Tagung eine Kinderbetreuung nutzen. Bitte geben Sie bei der Anmeldung das Alter der Kinder an.

Die Anmeldung ist bis zum 27. November per Mail an efas-netzwerk@htw-berlin.de möglich.

Das laufend aktualisierte Tagungsprogramm finden Sie unter http://efas.htw-berlin.de.

Mit freundlichen Grüßen aus der efas Geschäftsstelle,

Lilly Schön


Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
efas-Geschäftsstelle
Treskowallee 8 | 10318 Berlin
Gebäude C | Raum 127

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Stellenausschreibung: Universität Hildesheim, Koordinator_in für Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“

Liebe Interessierte,

das Gleichstellungsbüro der Universität Hildesheim sucht für das Graduiertenkolleg „Gender und Bildung“ eine_n Koordinator_in.
Bewerbungsschluss ist der 27.10.2017.

Ausschreibung Koord. Promotionskolleg_10.2017-1

Beste Grüße aus Hildesheim
Gabi Göller


Gabi Göller
Gleichstellungsbüro
Universität Hildesheim
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

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Einladung zur Eröffnung der Wanderausstellung „Juristinnen in der DDR“ am HWR-Campus Lichtenberg, Berlin am 2. November um 17 Uhr

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Namen des Harriet Taylor Mill-Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung möchte ich Sie herzlich zur Eröffnung der Wanderausstellung „Juristinnen in der DDR“ einladen.

Zeit: 2. November 2017, 17 Uhr

Ort: HWR-Campus Lichtenberg, Haus 1, Foyer.

Anmeldung: bis 23. Oktober an meine Mail-Adresse: jana.hertwig@hwr-berlin.de

Alle weiteren Einzelheiten entnehmen Sie bitte den Anhängen.

HTMI-Poster_AusstDDRJurist-online2-1

djb_Juristinnen-Flyer-110830-1

Ich würde mich über Ihre Teilnahme sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Jana Hertwig

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Dr. iur. Jana Hertwig, LL.M. (Eur. Integration)
Rechtsassessorin
Leiterin des Schwerpunktbereiches „Recht und Gender“ & Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Harriet Taylor Mill-Institut für Ökonomie und Geschlechterforschung (HTMI)
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR)
E-Mail: jana.hertwig@hwr-berlin.de
Web: http://www.harriet-taylor-mill.de/index.php/de/

Geschäftsstelle:

Campus Schönberg
Haus E – Raum 3.01
Babelsberger Str. 14-16
D-10825 Berlin

Postanschrift:
Badensche Str. 52
D-10825 Berlin

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Fachtag „Geschlechtergleichstellung im Migrationskontext gelingend gestalten“ – 28.11.17 in Hannover

Fachtag am 28. November 2017 in Hannover

„Geschlechtergleichstellung im Migrationskontext gelingend gestalten“

Die Vermittlung der Gleichstellung der Geschlechter in einer vielfältigen Gesellschaft schließt an Debatten um eigene und andere kulturelle Werte und Prägungen an. Eine Verständigung über Werte und Rechte ist für unser Zusammenleben von zentraler Bedeutung.

An unserem Fachtag möchten wir gemeinsam mit Ihnen – auch mit Blick auf die praktische Arbeit – vielfältige Aspekte beleuchten, wie unsere Gesellschaft geschlechtergerecht und integrativer gestaltet werden kann.

Das breite Vortrags- und Workshop-Programm aus Wissenschaft und Praxis richtet sich an alle Akteur_innen der Arbeitsfelder Flucht, Migration, Gleichstellung und Teilhabe.

Unser detailliertes Programm, die Einladung und der Link zur Anmeldung (Anmeldung erforderlich) sind hier für Sie abrufbar:

Einladung, Programm, Anmeldelink
Workshop-Beschreibungen

Gerne können Sie die Einladung an Interessierte weiterreichen.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!

Herzliche Grüße aus Hannover,
Manfred Brink und Anuschka Abutalebi

Manfred Brink
G mit Niedersachsen – Bildungs- und Beratungsstelle
Geschlechtergleichstellung in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels‘
Am Marstall 15
30159 Hannover

E-Mail g-mit-niedersachsen@vnb.de
Web http://www.g-mit-niedersachsen.de
https://www.facebook.com/g.mit.niedersachsen/

Ein Projekt in Trägerschaft des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen e.V.

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Rezension: A. Ziemann: Das Bordell

From: Rebecca Mörgen
Date: 19.10.2017
Subject: Rez. HBO: A. Ziemann: Das Bordell
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Ziemann, Andreas: Das Bordell. Historische und soziologische
Beobachtungen. Weilerswist: Velbrück Wissenschaft 2017. ISBN
978-3-95832-118-2; 180 S.; EUR 19,90.

Rezensiert für die Historische Bildungsforschung Online bei H-Soz-Kult
von:
Rebecca Mörgen, Institut für Erziehungswissenschaft, Universität Zürich
E-Mail: <rmoergen@ife.uzh.ch>

Die historische oder soziologische Auseinandersetzung mit der
sozialstaatlichen Regulierung des Prostitutionsgewerbes ist kein Novum.
Andreas Ziemann legt jedoch mit seinem Buch eine Studie vor, die
dezidiert historische Entstehungs- und Legitimierungsgründe des
Bordellwesens mit einer gegenwartsbezogenen Analyse des
Sexdienstleistungsgewerbes zu verknüpfen sucht. Nachgedacht wird über
den historischen, sozial- und gesellschaftspolitischen Zusammenhang von
Staat, der Ehe als bürgerlicher Rechtsnorm und Prostitution.
Erziehungswissenschaftlich relevante Bezugspunkte eröffnet das Buch etwa
dann, wenn auf staatliche Versuche zur Erziehung des sittlichen Menschen
hingewiesen wird, die Etablierung staatlicher Fürsorgeinstitutionen für
‚gefallene‘ Frauen thematisch wird und entsprechend Fragen der
Sittlichkeitserziehung ansatzweise diskutiert werden. Aber auch dann
wenn im Kontext einer sich im 18. und 19. Jahrhundert etablierenden
Sittlichkeitsordnung auf das sich festigende Idealbild der bürgerlichen
Hausfrau und Mutter eingegangen wird.

Ziemanns Untersuchung gliedert sich nach einer Einführung in sechs
Abschnitte: Die ersten drei sind eine straffe historische Darstellung,
die der „Gegenwartsorientierung“ (S. 7) in den Kapiteln sechs und sieben
als Grundlage dienen. In allen Kapiteln folgt Ziemann einerseits der
Analyse des immer wiederkehrenden Narrativs moralischer Diskreditierung
und sozialer Regulierung des Prostitutionsgewerbes. Andererseits werden
– eingebunden in den jeweiligen soziokulturellen Kontext – die
räumlichen Ordnungen und die soziale Praxis des Bordellwesens
rekonstruiert und damit der „heterotopische Charakter dieser
Institution“ (S. 9) ausgelegt. Quer zu den Kapiteln betrachtet Ziemann
die historisch gewachsene sogenannte „Bordellfrage“ (S. 8), die als
Reaktion auf staatliche Regelung der Sexualität zu deuten sei: Zur
Disposition stehen die Fragen „Wofür werden Bordelle gebraucht?“ und
„Kann man Bordelle wollen?“ (S. 145). Jene Fragen können als ein den
Text strukturierendes Element betrachtet werden, wenngleich der Autor
eine Bündelung erst im siebten Kapitel vornimmt.

Ziemann macht deutlich, dass die in der griechischen Antike begründete
kasernierte Prostitution sowie die Fundierung einer sexuellen
Doppelmoral (Kapitel 2) mit einer dezidierten sozialstaatlichen
Reglementierung und Überwachung des Sexualverhaltens der Bevölkerung
Ende des 16. Jahrhunderts einherging (Kapitel 3). Hier wird Ziemann
zufolge das erste Mal die Bordellfrage aufgeworfen. Der Autor
rekonstruiert, wie die funktionale Bestimmung des Prostitutionswesens
als „Komplementärinstitution“ (S. 20) gegenüber der staatlichen Ordnung
und dem Familienschutz sich im Zuge reformatorischer Sittlichkeitsideale
wandelte: fortan habe Sexualität ihren Ort „nur noch in der Ehe“ (S.
51), was es durch „strenge Erziehung“ (S. 145) durchzusetzen galt. Mit
der von Ziemann beschriebenen historischen Pendelbewegung zwischen
kontrollierter Akzeptanz und rigorosen Abschaffungsversuchen begründet
sich die – auch noch heute gegenwärtige – „undurchsichtige Schattenwelt“
(S. 143) des Prostitutionsgewerbes. Insofern sich in Bordelldiskursen
Sittlichkeitspostulate, sozialhygienische Kontrolle und
klassenspezifische Verhaltenserwartungen vermengen und neu verhandelt
werden (S. 7), steht im 19. Jahrhundert Ziemann zufolge die Bordellfrage
ein zweites Mal zur Disposition (S. 146). Wie diese mit biopolitischen
Programmen der Rassenhygiene und Eugenik verbunden wurde, skizziert der
Autor im fünften Kapitel in Auseinandersetzung mit den Positionen von
Lombroso/Ferrero und Auguste Forel. Die zunehmende Fokussierung auf eine
pathologisch begründete deviante Sexualität sowie die Regulierung der
Sexualität zum Erhalt des „Volkskörpers“ (S. 99) findet ihre direkte
Fortsetzung in der NS-Rassenideologie und wirft Ziemann zufolge ein
drittes Mal die Bordellfrage auf: Zur Steigerung der Arbeitsleistung von
KZ-Inhaftierten sowie zur „Triebabfuhr der Wehrmacht“ (S. 146) wurden
KZ-Bordelle – trotz eines staatlichen Verbotes – wieder eingeführt.
Legitimiert wurde die Implementierung über eine „altbekannte Rhetorik“
(S. 147): Deviantes Sexualverhalten könne besser kontrolliert und
behandelt sowie „kriminelle Einflüsse auf das Milieu verhindert“ (S.
147) werden.

Jene ambivalente Betrachtungsweise von Prostitution wird zu Beginn des
21. Jahrhunderts von „Professionsrollenträger_innen der Prostitution“
(S. 131) kritisch hinterfragt: Entsprechend wendet sich Ziemann im
sechsten Kapitel einer gegenwartsbezogenen Betrachtung der Bordellfrage
zu und folgt der politischen Zäsur durch das Prostitutionsgesetz im
Jahre 2002, welches die „lange fortgeschriebene […] Kampfformel“ (S.
93) der Sittenwidrigkeit aufgehoben habe. Zunächst steigt der Autor mit
einer ethnographischen Beschreibung der Stuttgarter Bordelllandschaft
ein und es werden Generalisierungen in Bezug auf
migrationsgesellschaftliche Fragen sowie auf marktökonomische Prinzipien
des Sexdienstleistungsgewerbes vorgenommen. Es folgt eine
Auseinandersetzung mit der Begriffsentstehung und Selbstbeschreibung als
„Sexarbeiter_in“ (131f.). Beschrieben wird die im Zuge feministischer
(Huren-)Bewegungen der 1970er-Jahre aufkommende Forderung nach
Anerkennung als autonome Sexarbeiter_innen, die sich gegen eine
paternalistische Haltung des Staats und der Politik wehrt sowie eine
Neubewertung der Trias von Sexualität, Ehe und Prostitution fordert.
Beschreiben ließe sich Ziemann zufolge ein exklusiver Typus „der neuen
emanzipierten Sexleister_innen als Avantgarde“ (S. 135). Gleichzeitig
deutet er implizit auf Grenzen der Erzählung der autonomen
Sexarbeiter_in hin: Bezug genommen wird auf eine moralische Debatte um
Selbstverfügung und -vermarktung, die sich insbesondere über die
Narrative des Menschenhandels und der Unterdrückung speist. Gleichwohl
macht der Autor ein interessantes Deutungsangebot: Entgegen aller
Zwangs-, Ausbeutungs- und Entfremdungslogiken und vor dem Hintergrund
der Novellierungen des Prostituiertengesetzes in Deutschland ließe sich
„die Prostituierte in eine Machtposition rücken, wonach sie souveräne
Entscheiderin ihrer Biografie ist und sich selbstbewusst der kulturell
sakrosankten Mutterordnung entzieht“ (S. 135). Mit der Figur der
„heiligen Mutter“ (S. 28) wird an dieser Stelle ein weiterer zentraler
Argumentationsstrang der vorliegenden Arbeit verbunden: Dass
unsittliches Verhalten und die Figur der Hure „die Mutterliebe und
Mütterlichkeit“ (S. 28) destabilisiere, ist ein wirkmächtiges Argument
sowohl im römischen Kaiserreich als auch im 19. Jahrhundert. Die
„geborene“ Prostituierte, die „ihrer Mutter- wie auch Familiengefühle
[…] beraubt sei“ (S. 95), wird der „bürgerlichen Frau“ als „geborene
Mutter“ gegenübergestellt (S. 96). Dieses Stigma der „Unheiligen, der
Gefallenen und Unerwünschten“ (S. 29) hat sich wirkmächtig und
beharrlich gehalten.

Veränderungen in der Beobachtungslogik der Prostitution im historischen
Verlauf zeigen einen signifikanten Wechsel vom Sittlichkeits- über das
Kriminalitäts- hin zum Berufsparadigma (S. 149). Vor diesem Hintergrund
rückt Ziemann im siebten Kapitel die politische Intervention gegenüber
dem Prostitutionsgewerbe über die gesetzliche Neuregelung durch das
Prostituiertenschutzgesetz (ProstSchG) ins Zentrum. Umsichtig diskutiert
er dabei die dem aktuellen Diskurs mit Prostitution inhärenten
antagonistischen Sprecher_innenpositionen. Inwiefern in die Diskussion
um das ProstSchG und den nachfolgenden Entscheidungsprozess gezielt
Expert_innenwissen und Sexarbeiter_innen (nicht) miteingebunden wurden,
macht er dabei ebenso deutlich, wie er kritisch zur Diskussion stellt,
wie das ProstSchG auf dem Weg zur Verabschiedung „hermetisch
abgeriegelt“ (S. 159) wurde. Damit wurde ein Gesetz zur Regulierung des
Prostitutionsgewerbes verabschiedet, das einerseits die Legalisierung
der Sexarbeit als Beruf verfolge und andererseits – so die kritischen
Gegenstimmen – die soziale Stigmatisierung der im
Sexdienstleistungsgewerbe Tätigen aufrechterhalte. Trotz der
Proteststimmen trat das Gesetz im Juli 2017 in Kraft. Entsprechend sei
die Bordellfrage, so resümiert Ziemann, „für Deutschland beantwortet und
der Fortbestand dieser alten kulturellen Einrichtung hierzulande unter
speziellen Bedingungen garantiert und legalisiert“ (S. 163).

Als weiterer Argumentationsstrang lässt sich Ziemanns
kulturgeschichtliche und soziologische Perspektive auf die räumliche wie
soziale (Binnen-)Organisation der Bordelle ausmachen (Kap. 2; Kap. 3;
Kap. 5.2). Er macht auf eine Reproduktion sowohl der topographischen
Situierung zwischen Peripherie und Stadt als auch der hierarchischen
Verhältnisse innerhalb des Prostitutionsgewerbes bis in die Gegenwart
aufmerksam (S. 23). Inwiefern das Bordell als Illusions- und
Kompensationsraum fungiert, beschreibt Ziemann im Anschluss an Michel
Foucault dezidiert erst im sechsten Kapitel. Mit dem Bordell „als
heterotopische Institution“ und Organisation gehe es um einen Ort der
Generierung und Institutionalisierung des „sexuellen Lust- und
Glücksbegehren[s]“ (S. 131) sowie der „unternehmerischen Ökonomie“ (S.
131), aber auch um einen Ort der „mikropolitischen Macht“. Deutlich wird
in Ziemanns Rekonstruktion ein Spannungsverhältnis, das dem Bordell als
Ort inhärent ist: die Herstellung sexueller Lustentfaltung durch
räumliche wie soziale Inszenierungspraktiken auf der einen sowie der
durchorganisierte Tages- und Beschäftigungsablaufs innerhalb eines
Bordells auf der anderen Seite (Kap. 5.2; Kap. 6).

Dieses Buch schafft es, historische Beschreibungen und soziologische
Analysen wechselseitig zu integrieren. Damit wird der Blick freigelegt
für Kontinuitäten und Brüche im Umgang mit Prostitution und eine
notwendige Vergegenwärtigung des Vergangenen deutlich gemacht –
wenngleich sich die historischen Analysen nur geringfügig auf
Primärquellen beziehen, Fragen zur Auswertung des empirischen Materials
offen bleiben und stellenweise eine dezidierte soziologische Ausdeutung
der Interviewpassagen wie auch der ethnographischen Beobachtungen
wünschenswert gewesen wäre. Ziemanns Analysen machen deutlich, dass es
gerade für gegenwartsbezogene Auseinandersetzungen im Kontext der
Prostitutionsfrage lohnenswert, wenn nicht sogar zwingend ist, sich mit
dem historischen Wissen im Umgang mit dem staatlichen und
wissenschaftlichen Zugriff auf das Prostitutionsgewerbe
auseinanderzusetzen. Entsprechend könnte das Buch ein Referenzpunkt für
jede sein, die sich mit dem Zusammenhang von Staat, Ehe und Sexualität
befasst.

Diese Rezension wurde redaktionell betreut von:
Michael Geiss <mgeiss@ife.uzh.ch>

URL zur Zitation dieses Beitrages
<http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2017-4-041>

Die Rezension ist hervorgegangen aus der Kooperation mit der
Historischen Bildungsforschung Online. (Redaktionelle Betreuung: Michael
Geiss und Elija Horn). http://www.fachportal-paedagogik.de/hbo/

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Konferenz: Clothes Make the (Wo)man: Dress and Cultural Difference in Early Modern Europe – Mainz 10/17

Leibniz-Institute of European History (IEG) Mainz
26.10.2017-28.10.2017, Mainz, Leibniz-Institute of European History,
Alte Universitaetsstr. 19, 55116 Mainz

Scholars of different disciplines have for a long time regarded dress as
a key marker of difference in the early modern period. Dress was not
just to signify identity, but rather to make identity, expressing
social, gender, geographic, or occupational belonging. Individuals and
groups used dress and fashion to express or challenge various and
sometimes overlapping identities and thus challenged the image of a
well-ordered society. However, dress has – for the most part – been
dealt with in local studies or as part of national historiography.
Comparative works or transcultural approaches are still rare. This
conference, by contrast, looks at early modern dress from a
transcultural perspective. The papers focus on dress as a marker of
social status, regional identities and foreignness. They also discuss
dress as signifiers and symbols, items of fashion and cultural transfer,
as well as liturgical dress.

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Thursday, October 26

3 pm
Welcome and Introduction
Johannes Paulmann (Mainz)
Cornelia Aust (Mainz)

3:30 pm
Keynote lecture
Chair: Thomas Weller (Mainz)
Ulinka Rublack (Cambridge)
The Right to Dress: Sumptuary Laws, Dress Practices and Political
Change in the Early Modern World

5 pm
Dress and Social Status
Chair: Jan Kusber (Mainz)
Beata Biedronska-Slotowa (Cracow)
Polish National Dress as an Expression of Tradition and of Political
and Cultural Independence
Cornelia Aust (Mainz)
From Noble Dress to Jewish Attire: Jewish Appearances in the Polish-
Lithuanian Commonwealth

Friday, October 27

9:30 am
Signifiers and Symbols
Chair: Sebastian Becker (Mainz)
Susanna Burghartz (Basel)
Transparent or Opaque? The Veil, a Major Signifier of Di?erence
Flora Cassen (Chapel Hill)
Marking the Jews in Renaissance Italy: Politics, Religion, and the
Power of Symbols

11:30 am
Regional Identities
Chair: Henning P. Jürgens (Mainz)
Constanta Vintila-Ghitulescu (Bucharest)
Shawls and Sable Furs: How to Be a Boyar under the Phanariot Regime
(1710-1821)
Denise Klein (Mainz)
Becoming an Istanbulite: Immigrant Clothing, Lifestyle, and Identity

2:30 pm
Liturgical Dress
Chair: Christopher Voigt-Goy (Mainz)
Nikolaos Vryzidis (Athens)
Communicating Multiplicities: The Compositeness of Greek Ecclesiastical
Dress Code during the Ottoman Period
Christopher König (Bochum)
…ehrlich vor den Altar gehen.« Church Vestments, Religious Identity,
and the Lutheran Reformation

4:30 pm
Historic Dress and Costume in Film and Theater
Moderation: Denise Klein (Mainz)
Maria Molenda (Nowy Sacz)
Constanta Vintila-Ghitulescu (Bucharest)
Ann-Christin Eikenbusch (Mainz)

Saturday, October 28

9:30 am
Dress and Foreignness
Chair: Róisín Watson (London/Mainz)
Gabriel Guarino (Coleraine)
Fit for a Queen: Female Education, Dress, and Body Image in the Early
Modern Spanish Court
Thomas Weller (Mainz)
»He knows them by their dress.« Dress and Otherness in Early Modern
Spain

11:30 am
Fashion and Cultural Transfer
Chair: Ulinka Rublack (Cambridge)
Maria Hayward (Southampton)
»a sutte of black which will always be of use to you«: Di?erence,
Similarity and the Value of Transculturalism in the Clothing Choices of
the 17th Century Scottish Male Elite
Giulia Calvi (Siena)
Imperial Fashions: Cashmere Shawls between Istanbul, Paris, and Milan
(XVIII-XIX Centuries)

1 pm
Concluding Discussion

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FernUniversität in Hagen: Promotionsstipendien „Hochschule und Diversität“

An der FernUniversität in Hagen sind drei Promotionsstipendien im Rahmen der von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Nachwuchsforschergruppe ‚Hochschule und Diversität‘ ausgeschrieben.

Themenschwerpunkte sind Migration, Inklusion und Beruflich Qualifizierte (Deadline Kurzexposé 30. November 2017).  Ausschreibung/Aushang: Aushang NFG Hans-Böckler-Stiftung

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Equal Pay Day Kampagne 2018

Sehr geehrte Damen und Herren ,

„Transparenz gewinnt“, so lautet das Motto der Kampagne zum nächsten Equal Pay Day am 18. März 2018. Der Startschuss fällt am 9. November 2017 bei unserem Auftaktforum in Berlin.

Wir setzen fest darauf, dass Sie auch in diesem Jahr mit uns im Rennen sind: Ob Sie uns vom Wegesrand anfeuern oder selbst aktiv mitsprinten, Ihre Unterstützung ist in jedem Fall Gold wert. Denn je mehr Sie in den Sozialen Medien auf unsere Kampagne hinweisen und je mehr Sie unsere Termine in Ihren Veranstaltungskalender aufnehmen, desto mehr sind mit von der Partie und desto schneller kommen wir ans Ziel. Schließlich wollen wir den Equal Pay Day nicht länger Mitte März, sondern schon bald am 1. Januar feiern!

Dazu braucht es allerdings dringend ein bisschen Tempo in der Sache. Mit dem neuen Entgelttransparenzgesetz hat die Politik einen solchen Tempomacher verabschiedet: Denn eine Ungerechtigkeit können wir erst dann aus der Welt schaffen, wenn sie sichtbar wird. Doch wie geht es jetzt weiter? Weshalb sind die Vorbehalte gegenüber der Offenheit in Entgeltfragen so groß? Wer profitiert vom Auskunftsanspruch? Welche positiven Effekte hat Transparenz für Beschäftigte und Unternehmen? Welche praktischen Hürden gilt es auf dem langen Weg zur Entgeltgleichheit noch zu überwinden?

Zu all diesen Fragen erwarten Sie am 9. November 2017 in Berlin Impulse von Expertinnen und Experten, Best Practice Beispiele aus dem Ausland sowie eine Diskussionsrunde zum Wahlergebnis und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Gleichstellungspolitik der neuen Regierung.

Equal Pay Day Auftaktforum
„Transparenz gewinnt.“
Startschuss zur Equal Pay Day Kampagne 2018
9. November 2017, 10:00-13:00 Uhr mit anschließendem Imbiss
Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Berlin

Weitere Informationen: Equal Pay Day Kampagne.
Ab Mitte November wird die Aktionslandkarte freigeschaltet. Ab diesem Zeitpunkt können Sie Ihre Aktionen zum Equal Pay Day veröffentlichen.

Transparenz gewinnt, da sind wir sicher – und sind gespannt auf den Austausch mit Ihnen. Lassen wir den Dauerlauf endlich hinter uns und setzen zum gemeinsamen Endspurt an!

Beste Grüße
Ihr Equal Pay Day Kampagnenteam

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GENDER 3 – 2017 „Gender and Design“ erschienen

Neu erschienen:

GENDER. Zeitschrift für Geschlecht, Kultur und Gesellschaft 3/17

Gender und Design – zum vergeschlechtlichten Umgang mit dem gestalteten Alltag

Herausgeberinnen: Uta Brandes und Sigrid Metz-Göckel

Design begleitet den Alltag und beeinflusst damit auch die handelnden Subjekte: Kein Augenblick, in dem wir nicht mit gestalteten Dingen, Zeichen, Dienstleistungen analoger und digitaler Art konfrontiert sind und agieren. Da Designausbildung und Designindustrie in ihrer gegenwärtigen Form die hierarchischen Geschlechterverhältnisse in der neoliberalen Gesellschaft in aller Regel reproduzieren, werden in diesem Heft Alternativen dazu und genderbezogene Analysen und Projekte vorgestellt. Melanie Levick-Parkins Beitrag schlägt einen großen Bogen von der gesellschaftstheoretischen Einbettung zur Kritik der Designausbildung. Katja Becker und Claudia Herling befassen sich mit Gendermarketing im Design, beispielhaft anhand ausgewählter populärer Websites. Tanja Godlewsky analysiert die visuellen Geschlechterinszenierungen von Musikerinnen und ihre Selbstdarstellungen und Werkpräsentationen über die sozialen Medien. Das Heft führt in die Designforschung ein, beleuchtet interne Debatten und liefert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Geschlecht und Gestaltung.

Im offenen Teil dieser Ausgabe beschäftigt sich Sabine Stange mit Geschlecht in den Debatten der Heimkampagne Ende der 1960er-Jahre, Stefan Raadts-Misegaes stellt faking good als dysfunktionales Verleugnungsverhalten von Männern in der Psychotherapie vor und Sana Chavoshian widmet sich in ihrem Beitrag religiösen Frauenzirkeln im postrevolutionären Iran. Fünf Rezensionen und ein Tagungsbericht runden das Heft ab.

Inhaltsverzeichnis und Einzelheftbestellung direkt auf der GENDER-Hompage

Regelmäßig die aktuelle GENDER-Ausgabe erhalten: GENDER-Abo


							
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