Veranstaltungsreihe über Migration, (Post)Kolonialismus und antirassistische Bildungsarbeit

Veranstaltungsreihe „Be aware! Sensibilisierung und Empowerment in interkulturellen Begegnungen“

In 8 Tagesseminaren wollen wir die globalen Dimensionen und geschichtlichen Hintergründe des aktuellen Migrationsgeschehens beleuchten, mit Euch über die aktuellen Entwicklungen des Rassismus in Deutschland diskutieren und uns v.a. über Handlungs- und Interventionsmöglichkeiten in unserem Alltag austauschen.

Es gibt noch freie Plätze in den Tagesseminaren; bei Interesse könnt Ihr Euch gern per E-mail anmelden (organize@solarev.org). Die Seminare werden auf Deutsch stattfinden.

Weitere Infos hierzu und zur gesamten Reihe findet Ihr auf unserer Webseite (www.solarev.org) und auf Facebook (https://www.facebook.com/BeAwareVeranstaltungsreihe/).

Wir freuen uns, wenn Ihr dies an interessierte Menschen weiterleiten könntet!

Die Termine im Überblick:

Fr. 09.12.2016 | Stereotype und verinnerlichter Rassismus – Einführung in den Anti-Bias-AnsatzSa. 10.12.2016 | Forum-Theater: Empowerment in der pädagogischen Praxis

Mi. 14.12.2016 | (Alter) Rassismus in neuem Gewand? Entwicklungen von der Nachwendezeit bis heute

Fr. 16.12.2016 | Die großen Lügen in der Migrations- und Flüchtlingsdebatte

Sa. 28.01.2017 | Flüchtlingsselbstorganisation und Proteste: Geschichte, Kontinuitäten und Perspektiven

Sa. 11.02.2017 | Die Kehrseiten des Wohlstands – was hat unser Lebensstil mit Flucht und Migration zu tun?

Sa. 25.02.2017 | Kolonialismus – Erinnerungskulturen im Nord-Süd-Vergleich

Die Seminare im Detail:

Stereotype und verinnerlichter Rassismus – Einführung in den Anti-Bias-Ansatz
Fr. 09.12.2016 (09:30 – 17:30h)

Nach einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch wollen wir Euch den „Anti-Bias-Ansatz“ vorstellen, der verschiedene Diskriminierungen (wie Ethnizität, Klasse, Geschlecht etc.) in ihrem Zusammenwirken beleuchtet. Wodurch entstehen Stereotype, wie funktionieren sie? Und wie können sie in pädagogischen Arbeit reflektiert und abgebaut werden?
Anti-Bias ist konkret und alltagsnah: Ausgangspunkt für gesellschaftliche Veränderungen ist immer die eigene Person. In diesem Seminar werden wir verschiedene Anti-Bias-Methoden kennenlernen, ausprobieren und diskutieren.

Forum-Theater: Empowerment in der pädagogischen Praxis
Sa. 10.12.2016 (09:30 – 17:30h)

Der brasilianische Regisseur und Theatermacher Augusto Boal entwickelte das Forum-Theater als Teil seines ‚Theaters der Unterdrückten‘. Die Schauspielenden stellen hierin eine Konfliktsituation auf der Bühne szenisch dar, die Zuschauenden sollen durch Improvisation in die Krisensituation eingreifen und alternative Lösungen für die Krise im Theaterspiel entwickeln.
In diesem Praxisworkshop wollen wir das Forum-Theater als pädagogische Methode erproben und uns mit seiner Hilfe Handlungsstrategien für konkrete Alltagssituationen erarbeiten. So lernen wir, Rassismus und diskriminierendem Verhalten besser begegnen und intervenieren zu können.
(Alter) Rassismus in neuem Gewand? Entwicklungen von der Nachwendezeit bis heute
Mi. 14.12.2016 (09:30 – 17:30h)

Die Zahl der fremdenfeindlichen und rassistischen Vorfälle hat sich in zwei Jahren vervielfacht: Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, Angriffe auf Flüchtlinge, Pegida… Die Erfolge der AfD und die populistischen Statements aus anderen Parteien machen zudem deutlich, dass ein Rassismus „im bürgerlichen Gewand“ in der Mitte der Gesellschaft verankert und salonfähig geworden ist.
Äußert sich im Kontext der sog. „Flüchtlingskrise“ eine neue Dimension von Rassismus in Deutschland? Wie hat sich Rassismus in Deutschland nach 1990 entwickelt und wie passen die aktuellen Phänomene des Rassismus in diese Entwicklung? Welche Organisations- & Aktionsformen und Themen werden genutzt und wie reagieren Politiker_innen auf die Herausforderung des Rassismus?
Das Tagesseminar richtet sich an Einsteiger_innen und vermittelt Grundlagenwissen zu verschiedenen Erscheinungsformen des Rassismus in Deutschland; der Schwerpunkt liegt auf den Entwicklungen nach 1990. Wo es für das Verständnis von  (Dis-)Kontinuitäten in der Entwicklung von Rassismus notwendig ist, wird jedoch auch Bezug auf die Geschichte(n) des Rassismus  in der BRD und der DDR genommen.
Die großen Lügen in der Migrations- und Flüchtlingsdebatte
Fr. 16.12.2016 (09:30 – 17:30h)

In die aktuelle Flüchtlingsdebatte mischen sich immer wieder falsche Behauptungen, Verkürzungen und Verzerrungen, die regelmäßig Stereotype über „die Ausländer“ bedienen. Folgende Sätze hat wahrscheinlich jede_r schon einmal gehört: „Das sind doch alles nur Wirtschaftsflüchtlinge.“ „Balkanländer sind sichere Herkunftsländer“, „Der deutsche Staat sorgt besser für die Flüchtlinge als für uns.“ …
In diesem Tagesseminar geht es darum, aufzuzeigen, welche falschen und halb-wahren Statements in der Öffentlichkeit gestreut werden und wie diese argumentativ entkräftet werden können.
Flüchtlingsselbstorganisation und Proteste: Geschichte, Kontinuitäten und Perspektiven
Sa. 28.01.2017 (09:30 – 17:30h)

Mit dieser Veranstaltung wollen wir einen Einblick in die Geschichte der Flüchtlingsproteste seit den 90er Jahren bis zum Flüchtlingsmarsch und den Protesten am Berliner Oranienplatz geben. Wir werden auf die Ziele und Forderungen aber auch die Wirkungen der Flüchtlingsbewegungen eingehen. Zudem wollen wir die Schwierigkeiten und Chancen in der transkulturellen politischen Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Flucht/Migrationshintergrund beleuchten und uns letztlich auch die Frage stellen, wie die Perspektiven für Flüchtlings- und Solidaritätsbewegungen in Zeiten der gesellschaftlichen Auseinandersetzung zwischen Pegida, realer Flüchtlingsabwehrpolitik und Willkommenskultur aussehen.
Die Kehrseiten des Wohlstands – was hat unser Lebensstil mit Flucht und Migration zu tun?
Sa. 11.02.2017 (09:30 – 17:30h) 

In der öffentlichen Diskussion um Flüchtlinge wird selten thematisiert, dass die reichen Industrienationen – seit dem Kolonialismus – die Grundlagen für Flucht und Migration auch selbst schaffen: Konsumverhalten, Rüstungsexporte, diskriminierende Welthandelsstrukturen etc. Im Seminar wird es um eine Analyse der Verantwortlichkeiten (historisch & aktuell) gehen und darüber hinaus auch um unsere Handlungsmöglichkeiten für eine gerechtere Welt.
Kolonialismus – Erinnerungskulturen im Nord-Süd-Vergleich
Sa. 25.02.2017 (10:00 – 18:00h) 

Nach wie vor gehört Deutschlands Kolonialgeschichte zu den häufig verdrängten Kapiteln seiner Geschichte. Im Seminar wollen wir den historischen Spuren des Kolonialismus in der Stadt folgen und dabei auch aktuelle (erinnerungs)politische Kontroversen beleuchten.
Im zweiten Teil werden wir die Perspektive wechseln und beleuchten, wie z.B. in Afrika an den Kolonialismus erinnert wird? Wie beeinflusst die Kolonialgeschichte Politik und Gesellschaft in den ehemaligen Kolonien? Und wie können wir – ohne Paternalismus – im globalen Norden Verantwortung für unsere Geschichte übernehmen?
Das Seminar beginnt mit einer Stadtführung. Treffpunkt bitte der Webseite entnehmen!

Teilnahme und Anmeldung:
Die Teilnahmegebühr beträgt 5€ pro Person und Seminar. Darin enthalten sind das Mittagessen, Getränke und Snacks.
Um Anmeldung per E-mail wird gebeten: organize@solarev.org.

Bildungsurlaub:
Für die einzelnen Seminare haben wir eine Anerkennung als Bildungsurlaub beantragt. Dieser Antrag wird z.Zt. noch bearbeitet.
Über den aktuellen Stand der Dinge und die Freistellungsmöglichkeiten halten wir Euch auf unserer Webseite www.solarev.org auf dem Laufenden.

Veranstaltungsort und Anfahrt:
Alle Seminare finden im tagungswerk im KuBiZ statt:
Kultur- und Bildungszentrum Raoul Wallenberg | Bernkasteler Str. 78 | 13088 Berlin-Weißensee
Erreichbar mit der Tram M4 (Buschallee), den Tramlinien 12 und 27 (Berliner Allee/Rennbahnstraße) oder den Bussen 156, 255 oder 259.
Die Seminarreihe wird gefördert von der Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit und von Engagement Global.

Veranstaltet von:
solar e.V. – soziales Leben und Arbeiten
Bernkasteler Str. 78 | 13088 Berlin-Weißensee
Web: www.solarev.org
E-mail: organize@solarev.org

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Tagungsankündigung: Die Erlösung der Sprache – Relektüren: Nelly Sachs; 9./10. Dezember 2016, Universität Potsdam

Einladung

Die Erlösung der Sprache – Relektüren: Nelly Sachs
zum 50. Jahrestag der Literaturnobelpreisverleihung und zum 125. Geburtstag

Eine Tagung des Moses Mendelssohn Zentrums und der Universität Potsdam am 9./10. Dezember 2016

Weitere Informationen im Flyer.

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OHCHR Was Staaten gg. Gewalt an LSBTI tun//intergeschlechtliche Kinder: Statistik-Studie zu OPs in Deutschland

Liebe Freund*innen,

heute möchte ich auf einen Bericht des OCHCHR über Maßnahmen von Staaten gegen Gewalt an LSBTI (weltweit) und auf eine gestern veröffentlichte Studie zu kosmetischen Genitaloperationen an intergeschlechtlichen Kindern (in Deutschland) hinweisen:

1) „Zur Aktualität kosmetischer Operationen „uneindeutiger“ Genitalien im Kindesalter“ ist der Titel einer gestern veröffentlichten Statistik-Studie. Die Verfasserin Dr. Ulrike Klöppel kommt zum Ergebnis, dass kosmetische Eingriffe an intergeschlechtlichen Kindern in Deutschland nicht wesentlich zurückgegangen sind. Das entspricht nicht den seit 2005 immer wieder überarbeiteten medizinischen Leitlinien und muss im Interesse der Kinder geändert werden. Untersuchungszeitraum sind die Jahre 2005 bis 2014.

Download der Studie hier:

https://www.gender.hu-berlin.de/de/publikationen/gender-bulletins/texte-42/kloeppel-2016_zur-aktualitaet-kosmetischer-genitaloperationen

Zum weiteren Kontext: Die Interministerielle Arbeitsgruppe (IMAG) zu Trans* und Inter* befasst sich mit dem Thema, hier der Link zum Zwischenbericht von Oktober:

https://www.bmfsfj.de/blob/112092/46d6be33eb8f2b5d2ee81488da03029c/situation-von-tans–und-intersexuellen-menschen-im-fokus-data.pdf

2) Das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte OHCHR hat seinen Bericht „Living Free & Equal – What states are doing to tackle violence and discrimination against lesbian, gay, bisexual, transgender and intersex people” veröffentlicht.

Er beginnt mit einem Vorwort von Zeid Ra’ad Al Hussein, dem UN Hochkommissar für Menschenrechte und gibt einen Überblick über staatliche Initiativen zum Schutz der Rechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgender und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI) in unterschiedlichsten Ländern der Welt.

Was tun Staaten, um die Gewalt gegen LGBTI einzudämmen? Mehr als 200 Beispiele und Initiativen in 65 Ländern werden genannt, die vor Gewalt und Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität (SOGI)* schützen sollen. Konkrete Beispiele nennen Initiativen von Regierungen, Gerichten, Parlamenten, nationalen Menschenrechtsinstitutionen und anderen überall auf der Welt, um den schon erreichten internationalen Menschenrechtsstandards zu genügen.

Interessant ist ein Blick in den Anhang, der viele einschlägige Links zu Gerichtsurteilen und anderen relevanten nationalen und regionalen Dokumenten bietet. In rechtlicher Hinsicht vorbildlich und entsprechend oft erwähnt sind Argentinien, Malta und Südafrika. Deutschland ist genau einmal positiv erwähnt mit einem Berliner Senatsbeschluss gegen Diskriminierung (s. 109 unten).

Download hier (englisch), Übersetzungen in weitere Sprachen der UN folgen 2017:
http://www.ohchr.org/EN/Issues/Discrimination/Pages/LivingFreeEqual.aspx

Herzliche Grüße

Sarah Kohrt

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Ankündigung CfP der fzg-Ausgabe 24: ‚Der Ort des Politischen in Critical Feminist Materialisms‘

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Interessierte*,

die Freiburger Zeitschrift für GeschlechterStudien (fzg) freut sich sehr, Ihnen unseren aktuellen Call for Papers für das Heft 24 ‚Der Ort des Politischen in Critical Feminist Materialisms‘ anzukündigen.

Aktueller CfP der fzg: Heft 24 – Der Ort des Politischen in Critical Feminist Materialisms

Wo liegt im Hinblick auf das kritisch-politische Potenzial das „Neue“ in den theoretischen Ansätzen und empirischen Analysen der Feminist Materialisms?

Im Anschluss an aktuelle Debatten adressieren wir mit diesem Call for Papers die Frage nach dem Ort des Politischen in Critical Feminist Materialisms als Spannungsmoment zwischen Körpern, Technologien und Subjekten im Rahmen individueller und kollektiver Praxen, gesellschaftlicher Strukturen und symbolischer Normen. Im Plural betonen wir die verschiedenen theoretischen Fokussierungen und die entsprechend differierenden Begriffe der aktuellen feministisch-materialistischen Konzepte (u.a. Barad, Haraway, Sullivan, Wuttig). Mit dem Zusatz Critical verweisen wir auf den politischen Zugang von Gender Studies, Feminismus, Intersektionalität, Queer und Postcolonial Studies, auf die sich alle Feminist Materialisms gemeinsam beziehen.

Erwünscht sind Aufsätze entlang der Perspektiven von Feminist Materialisms und Kritischer Theorie, des Embodying-Ansatzes, der Soma Studies sowie der Verknüpfung von Queer, Intersektionalität und die Rolle der Materialität.
Die Deadline ist der 31.05.2017.

Weitere inhaltliche und formale Informationen finden Sie im vollständigen Call for Papers im Anhang oder unter www.fzg.uni-freiburg.de.

Ganz herzliche Grüße

Kristian Gäckle

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CEDAW-Alternativbericht: Einladung zur Veranstaltung im Rahmen der Übergabe an die Bundesregierung am 14. Dezember 2016

Sehr geehrte Damen, Herren und Andere,
liebe Kooperationspartner*innen des Deutschen Frauenrats,

wir laden herzlich ein zur gemeinsamen Veranstaltung des Deutschen Frauenrats und der Friedrich Ebert Stiftung

Eine neue Allianz für Geschlechtergerechtigkeit?!
Übergabe des Alternativberichts der CEDAW-Allianz an die Bundesregierung.

Rund 40 zivilgesellschaftliche Organisationen erstellten bis September 2016 gemeinsam den Alternativbericht zum kombinierten 7. und 8. Bericht der Bundesrepublik Deutschland zum Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW).

Elke Ferner, Parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ, wird den Alternativbericht auf der Veranstaltung entgegennehmen. Im Anschluss werden mit weiteren Vertreter*innen der Bundesregierung zentrale Handlungsfelder erörtert, wie etwa die Verabschiedung eines Nationalen Aktionsplans CEDAW.
Am Nachmittag bietet sich die Möglichkeit, sich über die Ergebnisse und die weiteren gemeinsamen Schritte in der Lobbyarbeit auszutauschen.

Die Veranstaltung findet statt am Mittwoch, 14. Dezember 2016 von 9 bis 15 Uhr
in der Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastraße 28, 10785 Berlin.

Weitere Informationen entnehmen Sie bitte dem beiliegenden Veranstaltungsflyer.
Bitte melden Sie Ihre Teilnahme direkt bei der Friedrich-Ebert-Stiftung an forumpug@fes.de.

Wir freuen uns über rege Teilnahme!

 

i.A. Antonia Schmid

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CFP: Intersektional+Interdisziplinaer: Dis/ability und Gender im Fokus – Koeln 06/17

CFP: Intersektional+Interdisziplinär: Dis/ability und Gender im Fokus

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PD Dr. Urte Helduser (Institut für Deutsche Sprache und Literatur I,
Philosophische Fakultät); Sarah Karim, M.A. (iDiS Internationale
Forschungsstelle Disability Studies); Prof. Dr. Anne Waldschmidt
(Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies,
Humanwissenschaftliche Fakultät)
21.06.2017-23.06.2017, Köln, Universität zu Köln
Deadline: 31.01.2017

Die Intersektionalitätstheorie gehört inzwischen zu den Grundannahmen
verschiedener Forschungsfelder. Im Zentrum steht die Frage nach der
„Überkreuzung“ (oder „Interdependenz“) der Kategorie gender mit anderen
Differenzkategorien wie class und race. Im Anschluss an Kimberlé
Crenshaws Begriffsprägung (intersectionality) und Debatten in den USA
fand im deutschsprachigen Raum vor allem in den Gender Studies und den
Sozialwissenschaften eine umfassende Theoriebildung statt (Walgenbach
u.a. 2007, Klinger/Knapp 2008, Winker/Degele 2009, Lutz 2010, Smykalla
2013, Walgenbach 2014, Hess/Langreiter/Timm 2014). In den letzten Jahren
wurde Intersektionalität zunehmend auch in den Kultur- und
Literaturwissenschaften entdeckt (Schul 2014, Klein 2014,
Bedekovic/Kraß/Lembke 2014). Inzwischen hat sich in den
unterschiedlichen Fachrichtungen und Forschungsfeldern, von der
empirischen Sozialforschung bis hin zu den Kultur- und
Literaturwissenschaften, eine Vielfalt von Konzeptualisierungen ergeben.
Diese gehen ihrerseits auf verschiedene, quer zu den akademischen
Disziplinen stehende bzw. transdisziplinäre Forschungsrichtungen wie die
Queer Studies, die Critical Race Theory und auch die Disability Studies
zurück. Eine gemeinsame Basis dieser Ansätze bildet die Kritik an
Essenzialismen und Naturalisierungen sowie an Normalitätskonstruktionen.
Hier liegt auch ein Potenzial zur Vermittlung zwischen sozial- und
kulturwissenschaftlichen Perspektiven, um die Fragen nach Ursachen
sozialer Ungleichheit und Diskriminierung, nach Identitätskonstruktionen
und nach symbolischen Repräsentationen von Differenz interdisziplinär
betrachten zu können. Schließlich bietet das Paradigma
Intersektionalität auch einen theoretischen Ansatz zur kritischen
Auseinandersetzung mit Konzepten wie Diversity und Inklusion.
Einen der zentralen Diskussionspunkte bildet die Frage nach der
Erweiterung der drei Kernkategorien race, class, gender um weitere
Differenzmerkmale wie Alter, sexuelle Orientierung und schließlich auch
dis/ability. Damit schließt die Intersektionalitätstheorie an Einsichten
der (feministischen) Disability Studies an, die bereits seit längerem
die Interrelationalität von gender und disability in den Blick nehmen
(Garland Thomson 1997, Smith/Hutchison 2004, Raab 2007, 2012;
Jacob/Köbsell/Wollrad 2010b, Waldschmidt 2010, 2012, 2014; Windisch
2014). Entsprechend ermöglicht es eine intersektionale Perspektive,
gender und/oder race und dis/ability nicht additiv, als Faktoren
‚doppelter Diskriminierung‘ zu konzipieren, sondern als interdependente
Differenzkonstruktionen zu betrachten. Dabei ist bislang umstritten, ob
deren Verwobenheit vorzugsweise „spezifische Formen der Diskriminierung
hervorbringt“ (Jacob/Köbsell/Wollrad 2010a: 7) oder die
Intersektionalitätstheorie es auch erlaubt, Behinderung „als Möglichkeit
partieller Teilhabe und Entpflichtung von sozialen Rollen oder auch als
Raum unkonventionellen Seins und eigensinniger Erfahrung“ (Waldschmidt
2014: 881) zu fassen.
Seit die Intersektionalitätstheorie für die Disability Studies fruchtbar
gemacht wird, stellt sich umgekehrt auch die Frage, welche Relevanz die
Kategorie dis/ability in der Intersektionalitätstheorie erhält. Bilden
race, class und gender die drei entscheidenden Strukturkategorien
gesellschaftlicher Ungleichheit, die je nach spezifischer Situation
durch weitere Faktoren wie Behinderung oder wahlweise auch sexuelle
Orientierung, Religiosität, Herkunft erweitert werden können (vgl.
Klinger 2012)? Oder sollte stattdessen die ‚klassische‘ Trias um eine
vierte Strukturkategorie „Körper“ ergänzt werden (Winker/Degele 2009),
die dann auch Behinderung umfassen kann? Oder kommt es darauf an,
fallweise jeweils relevante Kategorien in ihren Wechselwirkungen zu
betrachten, z.B. gender und disability (vgl. Waldschmidt 2010) oder
disability und race (vgl. Erevelles/Minear 2010)?
Mit dem Workshop Gender und Disability Intersektional denken, der im
Rahmen eines interdisziplinären Lehrforschungsprojekts an der
Universität zu Köln im Juni 2017 stattfinden wird, verbinden sich zwei
Zielsetzungen: Zum einen sollen Perspektiven des Paradigmas
Intersektionalität für die Gender & Disability Studies ausgelotet
werden; zum anderen soll ein interdisziplinärer Austausch zwischen
sozial- und kulturwissenschaftlichen Gender Studies und Disability
Studies über Intersektionalität erzielt werden. Als Teil eines
transdisziplinären Lehrforschungsprojekts im Sommersemester 2017 soll
der Workshop Expert_innen verschiedener Fachrichtungen mit Studierenden
und Doktorand_innen ins Gespräch bringen. Damit soll der Workshop auch
Impulse für studentische Projekte oder Dissertationen liefern.

Mit diesem Call for Papers wenden wir uns insbesondere an
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler. Erwünscht
sind Vortragsangebote, die sich mit den Leitfragen des Workshops
auseinandersetzen. Dies können ebenso Beiträge zur theoretischen Debatte
wie zu methodischen Fragen sein. Aufgrund einer Förderung der
Universität zu Köln können die Fahrt- und Übernachtungskosten übernommen
werden.

Wir bitte um Abstracts (max. 1 Seite) mit kurzen Angaben zur Person bis
zum 31.01.2017 an

PD Dr. Urte Helduser
u.helduser@uni-koeln.de
Sarah Karim, M.A.
sarah.karim@uni-koeln.de
Prof.in Dr. Anne Waldschmidt
anne.waldschmidt@uni-koeln.de

Zitierte Literatur
Bedekovic, Natasa/Andreas Kraß/Astrid Lembke (2014): Durchkreuzte
Helden: Das »Nibelungenlied« und Fritz Langs Film »Die Nibelungen« im
Licht der Intersektionalitätsforschung. Bielefeld.
Erevelles, Nirmala/Andrea Minear (2010): Unspeakable Offenses:
Untangling Race and Disability in Discourses of Intersectionality. In:
Journal of Literary and Cultural Disability Studies 4, H. 2, S.
127-145.
Garland Thomson, Rosemarie (1997): Feminist Theory, the Body, and the
Disabled Figure. In: Lennard J. Davis (Hrsg.): The Disability Studies
Reader. New York/London, S. 279-295.
Hess, Sabine/Nikola Langreiter/Elisabeth Timm (2014): Intersektionalität
revisited: Empirische, theoretische und methodische Erkundungen.
Bielefeld.
Jacob, Jutta/Swantje Köbsell/Eske Wollrad (2010a): Einleitung. In: Eske
Wollrad/Swantje Köbsell/Jutta Jacob (Hrsg.): Gendering Disability.
Intersektionale Aspekte von Behinderung und Geschlecht. Bielefeld, S.
7-13.
—- (Hrsg.) (2010b): Gendering Disability. Intersektionale Aspekte von
Behinderung und Geschlecht. Bielefeld.
Klein, Christian (Hrsg.) (2014): Intersektionalität und Narratologie:
Methoden – Konzepte – Analysen. Trier.
Klinger, Cornelia (2012): Für einen Kurswechsel in der
Intersektionalitätsdebatte. In: Portal Intersektionalität.
www.portal-intersektionalität.de (2.10.2015)
Klinger, Cornelia/Gudrun Axeli Knapp (Hrsg.) (2008): ÜberKreuzungen.
Fremdheit, Ungleichheit, Differenz. Münster.
Lutz, Helma (2010): Fokus Intersektionalität: Bewegungen und Verortungen
eines vielschichtigen Konzeptes. Wiesbaden.
Raab, Heike (2007): Intersektionalität in den Disability Studies. Zur
Interdependenz von Behinderung, Heteronormativität und Geschlecht. In
Anne Waldschmidt/Werner Schneider (Hrsg.): Disability Studies,
Kultursoziologie und Soziologie der Behinderung. Erkundungen in einem
neuen Forschungsfeld. Bielefeld, S. 127-148.
Raab, Heike (2012): Intersektionalität und Behinderung – Perspektiven
der Disability Studies. In: Portal Intersektionalität.
http://portal-intersektionalitaet.de/theoriebildung/schluesseltexte/raab/
(18.4.2015)
Schul, Susanne (2014): HeldenGeschlechtNarrationen: Gender,
Intersektionalität und Transformation im Nibelungenlied und in
Nibelungen-Adaptionen. Frankfurt a.M.
Smith, Bonnie G./Beth Hutchison (2004): Gendering Disability. New
Brunswick, New Jersey, London.
Smykalla, Sandra (Hrsg.) (2013): Intersektionalität zwischen Gender und
Diversity : Theorien, Methoden und Politiken der Chancengleichheit.
Münster.
Waldschmidt, Anne (2010): Das Mädchen Ashley oder: Intersektionen von
Behinderung, Normalität und Geschlecht. In: Jutta Jacob/Swantje
Köbsell/Eske Wollrad (Hrsg.): Gendering Disability. Intersektionale
Aspekte von Behinderung und Geschlecht. Bielefeld, S. 35-60.
Waldschmidt, Anne (2014): Jenseits der doppelten Diskriminierung?
Disability, Gender und die Intersektionalitätsdebatte. In: Löw, Martina
(Hrsg.): Vielfalt und Zusammenhalt. Verhandlungen des 36. Kongresses der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bochum und Dortmund 2012.
Teilband 2. Frankfurt a. M., New York, S. 871-883.
Waldschmidt, Anne (2013): Geschlecht und Behinderung intersektional
denken: Anschlüsse an Gender Studies und Disability Studies. In: Elke
Kleinau/Dirk Schulz/Susanne Völker (Hrsg.): Gender in Bewegung. Aktuelle
Spannungsfelder der Queer und Gender Studies. Bielefeld, S. 151-163.
Walgenbach, Katharina (2014): Heterogenität – Intersektionalität –
Diversity in der Erziehungswissenschaft. Opladen.
Walgenbach, Katharina/Gabriele Dietze/Antje Hornscheidt/Kerstin Palm
(Hrsg.) (2007): Gender als interdependente Kategorie: neue Perspektiven
auf Intersektionalität, Diversität und Heterogenität. Opladen.
Windisch, Monika (2014): Behinderung – Geschlecht – Soziale
Ungleichheit. Intersektionelle Perspektiven. Bielefeld.
Winker, Gabriele/Nina Degele (2009): Intersektionalität: Zur Analyse
sozialer Ungleichheiten. Bielefeld.

————————————————————————
Universität zu Köln
Soziologie und Politik der Rehabilitation, Disability Studies
Sarah Karim

Frangenheimstr. 4
50931 Köln
0221 470 6618

sarah.karim@uni-koeln.de

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Merseburg, 15. Dezember 2016: Vortrag „Geschlecht und maschinelle Interaktion“ von Dr. Waltraud Ernst

Liebe Kolleg_innen, liebe Freund_innen,

sehr gern lade ich euch und Sie zum Vortrag von Dr. Waltraud Ernst (Universität Linz) „Geschlecht und maschinelle Interaktion“ ein, der am 15.12. von 16:30 bis 18:00 Uhr im Senatssaal der Hochschule Merseburg (Raumnummer: G/2/26) stattfindet. Es wird auch ausreichend Raum für Fragen und Diskussion sein.

Freundliche Grüße
Heinz-Jürgen Voß

*Vortrag „Geschlecht und maschinelle Interaktion“. Im Rahmen der Ringvorlesung FEMPOWER „Technik und Geschlecht“ an der Hochschule Merseburg*

# Referentin: Dr. Waltraud Ernst, Johannes Kepler Universität Linz
# Zeit: Donnerstag, 15.12.2016, 16:30 bis 18:00 Uhr
# Ort: Hochschule Merseburg, Hauptgebäude, Senatssaal (Raumnummer: G/2/26)

Ausnahmsweise an einem Donnerstag findet die dritte Veranstaltung im Rahmen der Ringvorlesung FEMPOWER „Technik und Geschlecht“ an der Hochschule Merseburg statt. *Die Geschlechterforscherin Dr. Waltraud Ernst (Universität Linz, Österreich) referiert zum Thema „Geschlecht und maschinelle Interaktion“:*

Das Mensch-Maschine-Verhältnis wird oft als fixe Schnittstelle der konkreten Interaktion, der Maschinenbedienung beschrieben. Demgegenüber analysiert Lucy Suchman (2007) die Mensch-Maschine-Schnittstelle als dynamischen Prozess der Materialisierung, in dem sich Bedeutungen verschieben können – sowohl seitens der Menschen als auch seitens der Maschinen. In Anlehnung an diese Analyse werden im Vortrag Ergebnisse aus einer empirischen Studie mit Bediener_innen von industriellen Produktionsmaschinen vorgestellt und diskutiert.
Welche Erkenntnisse ergeben sich aus dem Diskurs der Maschinenbediener_innen über ihre alltäglichen Erfahrungen mit Lasergravurmaschinen für die Entwicklung von Maschinen? Weisen die Erzählungen von Problemen und Diskussionen von Problemlösungen auf eine Veränderung des Mensch-Maschine-Verhältnisses hin? Welche Rolle spielt das Geschlecht bei den Erfahrungen und dem Diskurs darüber?
Aufbauend auf Analysen von Fokusgruppen mit Maschinenbediener_innen wird die Maschine als Ort des kollektiven Lernens, Scheiterns und des Erfolgs betrachtet, an dem das Geschlecht der Bediener_innen in den Hintergrund tritt und gerade dadurch Emanzipationsprozesse erfolgen können. Das zeigt, dass feministische Innovationen in den Ingenieurwissenschaften nicht nur prinzipiell möglich sind, sondern in der interdisziplinären Zusammenarbeit mit der Genderforschung bereits stattfinden.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen!

Als weitere Veranstaltungen ist in der Reihe vorgesehen: *Dipl.-Inf. Göde Both (17.1.2016, 16:30 Uhr, Vortrag: „Mensch-Maschine-Konfigurationen: Ist autonomes Fahren die ‚Entmannung des deutschen Autofahrers‘?“*.
Das Projekt FEMPOWER, das neben der Ringvorlesung auch Maßnahmen zur Förderung von Promotionen von Frauen beinhaltet, wird aus Fördermitteln der Europäischen Union finanziert. Federführend liegt das Projekt bei der Gleichstellungsbeauftragten der Hochschule Merseburg, der Ingenieurin Kathrin Stritzel; die Ringvorlesung wird inhaltlich und organisatorisch in Kooperation mit Andreas Kröner (HoMe-Akademie) und Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß (Fachbereich Soziale Arbeit. Medien. Kultur) durchgeführt. Nachfragen zur Ringvorlesung bitte an: heinz-juergen.voss@hs-merseburg.de .

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Herzliche Einladung zur Fachtagung „Männer übernehmen Verantwortung“ am 8. Dezember 2016 in Güstrow

Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr gern möchte ich Sie auf die Tagung „Männer übernehmen Verantwortung | Vater. Partner. Arbeitnehmer:“ am 8. Dezember 2016 im Südstadtklub Güstrow aufmerksam machen und Sie herzlich zu dieser Veranstaltung einladen.
Im Mittelpunkt der Fachtagung steht die Auswertung des gleichnamigen Modellprojektes des Bundesforum Männer mit Blick auf unser Bundesland. Das Programm können Sie freundlicherweise der Anlage entnehmen.

Für Rückfragen stehe ich sehr gern zur Verfügung.
Anmeldungen bitte formlos per eMail an info@gender-mv.de bis spätestens
zum 7. Dezember 2016.

Mit besten Grüßen

Dirk Siebernik

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PM: Kosmetische Operationen an Genitalien intergeschlechtlicher Kinder noch immer ‎traurige Realität

Pressemitteilung
Kosmetische Operationen an Genitalien intergeschlechtlicher Kinder noch immer ‎traurige Realität
Studie zur Häufigkeit von Genitaloperationen im Kindesalter erschienen

Berlin, 3.12.2016‎

In deutschen Krankenhäusern werden weiterhin kosmetische Genitaloperationen an intergeschlechtlichen Kindern durchgeführt. Behauptungen, dass diese schwerwiegenden Eingriffe der ‎Vergangenheit angehörten,‎ ‎ sind schlichtweg falsch. Zu diesem alarmierenden Ergebnis kommt ‎eine am 1. Dezember veröffentlichte Studie von Dr. Ulrike Klöppel, die die Entwicklung der Ope‎rationshäufigkeit für die Jahre 2005 bis 2014 analysiert.‎ ‎ Demnach wurden etwa ein Fünftel der ‎als weiblich registrierten Kinder, die wegen einer Variation der körperlichen Geschlechtsmerkmale im Krankenhaus aufgenommen worden waren, einer komplexen Genitaloperation unterzogen, ‎die einer Anpassung an Weiblichkeitsnormen dient – und dies in einem Alter von 0 bis 9 Jahre. ‎Auch im Säuglingsalter sind z.B. Klitoris-Operationen weiterhin üblich. Maskulinisierungsopera‎tionen werden jährlich an Hunderten Kindern durchgeführt.‎
Die durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderte ‎Studie bestätigt die Vorwürfe, die Organisationen intergeschlechtlicher Menschen (Organisation ‎Intersex International, Verein Intersexuelle Menschen e.V., zwischengeschlecht) seit Langem er‎heben: Menschenrechtsverletzungen an Kindern sind auch in deutschen Kliniken Praxis. Die im ‎September 2014 eingesetzte „Interministerielle Arbeitsgruppe zu Inter- und Transsexualität“ hält ‎es trotz dieser Tatsachen und verschiedener Rügen durch UN-Ausschüsse nicht für nötig, rechtliche Regelungen in der Bundesrepublik zum Schutz intergeschlechtlicher Kinder vorzubereiten.‎ ‎ ‎‎„Verstärkte Aufklärung und (Peer-)Beratung, wie von der Interministeriellen Arbeitsgruppe emp-‎fohlen, sind zweifelsohne nötig, aber sie bieten keine Rechtssicherheit“, kommentiert Andreas ‎Hechler, Beirat der Organisation Intersex International (OII) Deutschland.‎
„Dieser Zustand ist unhaltbar“, betont Dr. Dan Ghattas, Vorstandsmitglied von OII: „Deutschland ‎hat alle in diesem Zusammenhang relevanten UN-Menschenrechtskonventionen ratifiziert. Zugleich ist Deutschland als EU-Mitgliedsstaat und Mitglied des Europarats dazu aufgefordert, die ‎Europäische Menschenrechtskonvention einzuhalten. Die Bundesregierung muss sich dieser Ver‎antwortung endlich stellen.“ Ins A Kromminga, ebenfalls aus dem Vorstand, ergänzt: „Auf Länderebene hat die GMFK bereits 2014 klargestellt, dass die Verstümmelung intergeschlechtlicher ‎Genitalien mit ‚weiblicher Genitalverstümmelung’ vergleichbar ist. Diese ist in Deutschland verboten. Aber hier misst die Bundesregierung ganz offenbar mit zweierlei Maß.“‎
OII Germany fordert daher in Übereinstimmung mit den anderen in Deutschland aktiven Orga‎nisationen intergeschlechtlicher Menschen ein Verbot kosmetischer Genitaloperationen im Kindesalter. Um Rechtssicherheit für die betroffenen Kinder zu schaffen, bedarf es klarstellender ‎Regelungen, wie sie mit § 226a StGB bereits für die „weibliche Genitalverstümmelung“ einge‎führt wurden. Es muss gewährleistet sein, dass intergeschlechtliche Erwachsene ihre Rechte ‎durchsetzen können. Dazu müssten die Krankenakten von Kindern bei Eingriffen an den Genita-‎lien längeren Aufbewahrungsfristen unterliegen und die Verjährung sollte ruhen, bis die Betroffenen volljährig sind.‎

Pressekontakt: oii-germany@gmx.de

Pressemitteilung als Download: pressemitteilung-oii-germany

Weiterführende Informationen:‎
Studie „Zur Aktualität kosmetischer Operationen ‚uneindeutiger’ Genitalien im Kindesalter“. In: ‎Bulletin – Texte Nr. 42: https://www.gender.hu-berlin.de/de/publikationen/gender-bulletins
Organisation Intersex International Germany: http://intersexualite.de
Organisation Intersex International Europe: http://oiieurope.org

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Stellenausschreibung: Projekt „Frauen gestalten die Informationsgesellschaft“; Universität Paderborn

Liebe Kolleg_innen,

zur Information und mit der Bitte um Verbreitung eine Stellenausschreibung zur Elternzeitvertretung im Projekt „Frauen gestalten die Informationsgesellschaft“ an der Universität Paderborn.

Vielen Dank und herzliche Grüße

Claudia Mahs

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