8. Mai 1945

Gebhardt, Miriam München: Dt. Verl.-Anst., 2015

Wer wird in all den Gedenkreden zum Tag der Befreiung die Leiden und Schmerzen der Frauen und Kinder besonders hervorheben?
Ich empfehle deshalb heute Medien, die das Thema Vergewaltigung von Frauen durch die alliierten Besatzungssoldaten nach dem Buch von Helke Sander „Befreier und Befreite“ (1995) neu aufgreifen und auch die Tatsache, dass sich in den letzten Tagen  des Zweiten Weltkrieges gerade Frauen mit ihren Kindern selbst töteten.
1. Das neue Buch von Miriam Gebhardt „Als die Soldaten kamen : die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs“ (2015).
„Zahllose Mädchen und Frauen (und auch etliche Männer) wurden Opfer sexueller Gewalt, überall im Land. Denn entgegen der weit verbreiteten Vorstellung wurden nicht nur »die Russen« zu Tätern, sondern auch Amerikaner, Franzosen und Briten. Auf Basis vieler neuer Quellen umreißt Miriam Gebhardt erstmals historisch fundiert das Ausmaß der Gewalt bei Kriegsende und in der Besatzungszeit. Zugleich beschreibt sie eindrücklich, wie die vergewaltigten Frauen in späteren Jahren immer wieder zu Opfern wurden: von Ärzten, die Abtreibungen willkürlich befürworteten oder ablehnten, von Sozialfürsorgern, die Schwangere in Heime steckten, von Juristen, die Entschädigungen verweigerten. Und nicht zuletzt von einer Gesellschaft, die bis in unsere Tage die massenhaft verübten Verbrechen am liebsten beschweigen und verdrängen würde.“ (Inhaltstext)
2. Ein BBC-Feature mit dem Titel „The Rape of Berlin“ (02.05.2015) berichtet 55 Min. lang über die Massenvergewaltigungen von Frauen, nicht nur in Berlin. Lucy Ash (BBC) interviewte Zeitzeug_innen in verschiedenen Ländern; die Produzentin Dorothy Feaver nutzte auch die Literatur und Recherchetipps der Genderbibliothek für dieses Feature. Es ist nachzuhören auf der Homepage der BBC.
3. Eine Studie des Museumsvereins des Regionalmuseums meiner Heimatstadt Demmin arbeitet die Selbsttötungen von Frauen und Kindern im April/Mai 1945 auf und holt sie mit wissenschaftlich-historischer Analyse aus dem Dunkel von Vermutung und Übertreibung.
Literatur: Demminer Regionalmuseum (Hrsg.): Das Kriegsende in Demmin : Umgang mit einem schwierigen Erbe (2013); Artikel von Petra Clemens und Elke Scherstjanoi.
Auf dieser Grundlage soll weiter geforscht werden. Einen Einblick dazu gab eine wissenschaftliche Tagung am 30.04.2015, von der hoffentlich mehrere Vorträge veröffentlicht werden.

Die Medien sind in der Genderbibliothek vorhanden.