AK 16.12.: Wörterfabrik?

Könnten wir uns ein Land vorstellen, in dem man Wörter erst kaufen und dann schlucken muss, um sich mitteilen zu können? In dem es einen Sommerschlussverkauf für Wörter gibt, die aber so exotisch sind, dass fast niemand sie gebrauchen kann? In dem Reiche Wörter haben und Arme eben keine oder sehr wenige? In so einem Land lebt Paul, der in Marie verliebt ist und im Vergleich zu seinem Nebenbuhler nicht die Worte hat, die er seiner Freundin sagen möchte …

Diese Geschichte, erstaunlicherweise für Kinder ab 3 Jahren (!), hat sich Agnés de Lestrade ausgedacht. Das Buch wurde im August mit dem Kinderbuch-Coach-Star als bestes Kinderbuch des Monats ausgezeichnet. Alles in dem Buch passt zur poetischen Geschichte: die Illustrationen von Valeria Docampo (erst düster in braun-beige-schwarz, zum Ende hin in warmen Rottönen) und auch die Typografie (Menschen kleiden sich in Stoffe aus Wörtern, gekaufte Wörter sind fett gedruckt, liebevoll gehauchte Wörter schlängeln sich in Schreibschrift).

Insgesamt ein Erlebnis der besonderen Art. Ein wertvolles Weihnachtsgeschenk für Kinder und Erwachsene. Ein Buch über den Wert von Sprache. Ein Buch über Gefühle, die sprachlich ausgedrückt werden wollen. Aber auch über Gefühle, die körpersprachlich sichtbar sind für die, die fähig sind sie zu äußern und zu lesen. Ein Buch über echte Sprache und echte Gefühle!

Agnes de Lestrade / Valeria Docampo: Die große Wörterfabrik. Mixtvision Verlag, 2010. ISBN: 978-3-93943526, 13,90 EUR

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