14.12.: Maisha M. Eggers – Intersektionalität
Veröffentlicht von Karin am Dezember 14, 2009 unter Allgemein

Maureen Maisha Eggers
Dr. Maureen Maisha Eggers war in den letzten Jahren in unserem Studiengang aktiv und ist jetzt Professorin für Kindheit und Differenz (Diversity Studies) an der Hochschule Magdeburg/Stendal (FH) in Stendal. Sie schrieb uns für diesen Adventskalender einen (längeren) Text:
Was ich gerade lese, schreibe, denke, mache:
Nach dem Werkstattgespräch „Theorien der Intersektionalität – Intersektionalität im Lichte der Disziplinen“ am 4. Dezember 2009 (ZtG HU Berlin/Zifg TU Berlin) bereite ich mich gerade auf die Hamburger Winterschool „Intersektionalität als Kritik“ vom 25. – 28. Februar 2010 vor.
Nach einem Jahr Pause wende ich mich dem Thema Intersektionalität (oder auch Interdependenzen) als kritischem methodologischem Instrument der Geschlechterforschung mit erneuten Kräften zu. Ich habe Intersektionalität schon häufiger als ein Thema bezeichnet, das in der Lage ist, alle 26 Arten der Verzweiflung – von denen Arundhati Roy in „Gott der kleinen Dinge“ spricht – gleich auf einmal zu entfachen. Die Frage danach, ob kategoriale oder anti-kategoriale, strategisch-kategoriale oder reflexiv-kategoriale Lesarten bei Analysen von Intersektionalität hilfreich oder vergeblich sind, haben wir am Freitag schon eingehend diskutiert.
Was ich gerade mache, ist mich erstmal weg von der Fokussierung von Kategorien als Ausgangspunkt der Analyse zu bewegen, hin zu konkreten Konfliktfeldern, in denen intersektionelle Differenzordnungen (Mecheril) schon am Werke sind. Nach dem Vortrag von Kimberle Crenshaw am 25. November (2009) bin ich umso überzeugter, dass sich ein Ansatz an der Materialität intersektionell produzierter gesellschaftlicher Konfliktsituationen (Cases) als sehr ertragreich erweisen könnte.
• Dabei denke ich Intersektionalität als Diversität.
• Ich arbeite mit einem politisierten Begriff von Diversität.
• Ich argumentiere gegen eine bereits erreichte Egalisierung, dass gesellschaftliche Ungleichheitsstrukturen ganz konkrete materielle Konsequenzen nach wie vor haben.
• Ich nenne das eine „spezifische Erfahrungsqualität“ (Patricia Hill Collins spricht von „unverwechselbaren Erfahrungen“ und meinte damit damals die Existenzweisen Schwarzer, lesbischer Frauen aus Arbeiter(_innen)verhältnissen).
Diese spezifischen Erfahrungsqualitäten unterschiedener Subjekte, intersektioneller Subjekte, versuche ich begrifflich mit dem Analysebegriff „Existenzweise“ einzufassen; (dabei nicht begriffshistorisch, sondern in der Anwendung als Analysebegriff der Geschlechterforschung, s. Andrea Maihofer).
Methodisch möchte ich mich in naher Zukunft an der Rekonstruktion von Existenzweisen ausprobieren.
Als letztes möchte ich die intersektionelle Erzeugung von Existenzweisen mit Bourdieu’s theoretischem Modell der Wechselbeziehung zwischen Sozialen Strukturen/Symbolischer Ordnung/Sozialer Praxis (unterschiedener AkteurInnen) strukturieren. Dabei gehe ich von Intersektionen von Vertragsverhältnissen als Subjektivierungsbedingungen aus.
Dazu lese ich gerade:
Mills, Charles W. (2007): Intersecting Contracts. In: Carole Pateman and Charles Wade Mills: Contract and Domination, Cambridge (Polity), S. 165 – 199 (in Berlin in der Stabi und FU entleihbar).
Ich hab damit also erstmal reichlich zu tun. Ich freue mich jetzt schon sehr auf das neue Jahr. Ich wünsche allen Verbündeten des ZtG „Happy Holidays“ und einen fulminanten Start ins Jahr 2010!
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