15. Dezember: Wikis in der Frauen- und Geschlechterforschung

Nachdem wir im letzten Fenster bereits eine Web2.0-Leckerei für unsere Leser_innen enthüllt haben, bleiben wir doch gleich beim Zwei-Null und beschäftigen uns heute mit dem Thema Wiki.

Was genau Wikis sind, lest ihr am besten in der Wikipedia nach, dort findet sich ein einführender und gelungener Artikel zum Thema. Und schon sind wir mittendrin im Thema. 😉 Der folgende Artikel möchte euch aufzeigen:

  • Wie ihr Wikiartikel am besten zitiert.
  • Wieso es das Gender@Wiki gibt.
  • Warum Wikis so toll für die Umsetzung von Inter/Transdisziplinarität sind.
  • Was es noch für Wikis gibt.

Zitieren von Wikis

In der Universität ist trotz der hohen Qualität einiger Wikiartikel in der Wikipedia das Zitieren dieser Artikel häufig ungern gesehen. Das wird meistens damit begründet, dass diese Artikel von allen einfach so verändert werden können. Doch gerade für die Geschlechterforschung bieten Wikis häufig auf Grund ihrer Aktualität eine spannende Informationsmöglichkeit. Also, falls ihr einen Artikel in einer Arbeit verwendet wollt, wählt ihr in der Wikipedia innerhalb der linken Navigationsleiste das Feld „Werkzeuge“ aus.

Unter diesen Werkzeugen befindet sich der Punkt „Permanentlink“. Sobald ihr diesen anklickt, wird euch im Wiki ein Link erzeugt, mit dem ihr die aktuelle Version des von euch ausgewählten Artikels verlinken könnt. Für die Zitierweise solltet ihr unbedingt noch das Zugriffsdatum (Datum und Uhrzeit) und das letzte Bearbeitungsdatum angeben. Genaue Angaben findet ihr ebenfalls unter Werkzeuge unter dem Punkt „Seite zitieren“. Nun seid ihr auf der „sicheren Seite“ und könnt aus dem Wikiartikel zitieren.

Nicht nur die Artikel selbst können für die Arbeiten in der Frauen- und Geschlechterforschung von Bedeutung sein. Zu jeder Seite findet sich im Wiki eine Möglichkeit den Artikel zu diskutieren. Diese Seiten bieten häufig wunderbares Material für feministische Analysen. Schaut euch doch einmal die Diskussionsseite zum Artikel Frau an.

Gender@Wiki

Das Gender@Wiki wurde im Rahmen eines studentischen Projekttutoriums entwickelt und auf die Beine gestellt. Das Fachwiki wird mittlerweile vom Gender@Wiki e.V. betreut, gefördert und finanziert. Die Idee ein eigenes Wiki für die Frauen- und Geschlechterforschung anzubieten war ganz einfach:

Das Gender@Wiki soll als ein virtueller Diskussionsraum bzw. als Onlineplattform eines Kommunikationsnetzwerkes genutzt werden, in dem der Austausch von Fachinformationen unter Berücksichtigung der für die Geschlechterforschung zentralen Kennzeichen (Kategorie Geschlecht, Inter- bzw. Transdisziplinarität, Wissenschaftskritik, Wissenstransfer in die Praxis) möglich ist.

Die Herausforderung dieses Projekts liegt also darin, aktuelle Informationen und Entwicklungen schnell und ohne große Vorkenntnisse von allen Interessiert_innen in das Wiki einarbeiten und ändern zu können. Hier liegen die Chancen für die Gender Studies, die sich durch Transdisziplinarität und durch die Berücksichtigung von verschiedenen Perspektiven und verschiedensten Methoden auszeichnen.

Neben diesen großen Zielen, wurde das Gender@Wiki begründet, um ein Wiki anzubieten, in dem geschlechtergerechte Sprache umgesetzt werden darf. Dies ist in der maskulinistisch geprägten Wikipedia unerwünscht. Bisher findet ihr seit dem Start des Wikis 2006 226 Artikel. Ihr seht, es gibt noch viele Möglichkeiten aktiv zu werden und euch mit einem eigenen Artikel zu beteiligen. Für alle, die bisher noch nicht in einem Wiki geschrieben haben, bietet es sich an, die fünf kleinen Hilfevideos anzusehen.

Wikis als Möglichkeit des transdisziplinären Arbeitens

Transdisziplinarität ist innerhalb des Studienganges Gender Studies ein wichtiges Thema für theoretische Betrachtungen. Ein Wiki bietet die beste technische Grundlage für die Umsetzung von methodischer Transdisziplinarität. Die Voraussetzungen transdisziplinären Schaffens sollten, so Mittelstraß, folgende vier Punkte enthalten:

  1. Der uneingeschränkte Wille zu lernen und die Bereitschaft, die eigenen disziplinären Vorstellungen zur Disposition zu stellen.
  2. Die Erarbeitung eigener interdisziplinärer Kompetenz, und zwar in der produktiven Auseinandersetzung mit anderen disziplinären Ansätzen.
  3. Die Fähigkeit zur Reformulierung der eigenen Ansätze im Lichte der gewonnenen interdisziplinären Kompetenz.
  4. Die Erstellung eines gemeinsamen Textes, in dem die Einheit der Argumentation (‚transdisziplinäre Einheit‘) an die Stelle eines Aggregats disziplinärer Teile tritt.

Was bietet sich mehr an, als für eine von Ort- und Zeit unabhängige transdisziplinäre Arbeitsweise ein Wiki zu benutzen? Ein Wiki bietet neben der Diskussionsseite die Möglichkeit, eigene Ansätze zu reformulieren und einen gemeinsamen Text zu verfassen. Die Versionsgeschichte ermöglicht es allen nachzuvollziehen, wie der Text entstanden ist und wer an welcher Stelle beigetragen hat, aber im Endergebnis verschwinden diese einzelnen Teile und es entsteht eine „transdisziplinäre Einheit“ Also ran an die Wikis!!!

Andere Wikis

Die Unterstützung von internen Gruppen- und Arbeitsprozessen durch Wikitechnologien vereinfacht in vieler Hinsicht die Arbeit. Von einem online erreichbaren Punkt aus, können alle Mitarbeiter_innen Einsicht in die hinterlegten Daten erhalten. In der Genderbibliothek arbeiten wir z.B. seit diesem Jahr für Projektplanungen und die gemeinsame Datenverwaltung mit dem Angebot von PBwiki und sind mit dieser Lösung sehr zufrieden.

öffentlich zugängliche Wikis gibt es inzwischen zu vielen Themen. Der Wikiindex weist allein 445 deutschsprachige Wikis aus und im Gründerwiki findet sich ebenfalls eine umfassende Sammlung von deutschsprachigen Wikiangeboten.

Für die Frauen- und Geschlechterforschung empfiehlt sich der Besuch und die Mitarbeit beim  Frauenwiki. Dieses Wikiprojekt wird in Dresden betrieben und hat sich zur Aufgabe gestellt, eine „Sammlung regionalen und überregionalen Wissens zur Frauengeschichte und Frauenpolitik“ zu erstellen. Außerdem gibt es das Berliner Projekt „DiverCity„, ein Wiki in dem Gender- und Diversity-Aspekte eine Rolle spielen.

2 thoughts on “15. Dezember: Wikis in der Frauen- und Geschlechterforschung

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.