Der Frauentag heute ist ein sehr gutes Datum, um auf eine Veranstaltungsreihe hinzuweisen, die Frauen in den Mittelpunkt stellt, damit alle davon profitieren. Es geht um Schriftstellerinnen, deren Bücher die meisten älteren von uns kennen, die aber ebenso ein Schatz für die jüngeren Frauen sein können. Es geht um Brigitte Reimann, Maxi Wander und Irmtraud Morgner – alles Schriftstellerinnen, die in der DDR frauenbewegte Literatur verfasst haben und damit auch die feministische Wissenschaft herausgefordert und bereichert haben. Alle drei Frauen wurden 1933 geboren – wären also in diesem Jahr 80 Jahre alt geworden!
Aus Anlass dieses Ereignis organisierte die Frauen-/Genderbibliothek MONAliesA in Leipzig mit mehreren Partner_innen eine ganzjährige Veranstaltungsreihe. Neben Lesungen Vorträgen und Diskussionen über die Autorinnen, ihr literarisches Wirken und ihr soziales Engagement sollen auch Dokumentationen sowie Literaturverfilmungen gezeigt werden. Umrahmt wird das Ganze von einer kleinen Fotoausstellung unter dem Titel „Frauenleben in der DDR“, die in der Galerie in der Bibliothek zu sehen ist.
Zur Eröffnung der Reihe sprach Professorin Ilse Nagelschmidt von der Universität Leipzig ein Grußwort, das MONAliesA in ihrem Blog am 18.02.2013 veröffentlichten:
Gedenktage bilden immer wieder einen geeigneten Anlass, um sich mit historischen Ereignissen, mit Kunstwerken oder dem Leben populärer Autor_innen zu befassen, sich ihre vielseitige Bedeutsamkeit zu vergegenwärtigen und postume Widmungen und Ehrungen vorzunehmen.
So bilden die 80. Geburtstage von drei Autorinnen, die unter den spezifischen Voraussetzungen der DDR gelebt und geschrieben haben, ein Motiv, um sowohl biografische Ausschnitte als auch literarische Eindrücke von Brigitte Reimann, Irmtraud Morgner und Maxie Wander multimedial in gegenwärtige Diskussionen und literarische Interessenlagen zu übermitteln.
Literaturanalytisch aufgearbeitet werden die genannten Schriftstellerinnen, indem ihre Werke als Pionierarbeiten gelesen werden sollen, worin erstmalig Individualkonzepte, z.B. als sogenannte Ankunftsliteratur, erarbeitet und patriarchale Gefüge unterlaufen werden.
Irmtraud Morgners Texte werden im sozialistischen Realismus verortet, der sich fantastisch ausweitet und dabei eine feministische Sichtweise einnimmt, während Maxie Wander für eine Protokoll-Literatur einst bekannt geworden ist, die sie aus belletristischen Anteilen und essayistischen Montagestücken zusammengesucht und weiterentwickelt hat.
Die geplante Veranstaltungsreihe soll nicht einer Erinnerungskultur zeitigen, die lediglich am jeweils aktuellen Jubiläumstag Texte einer Relektüre unterzieht und Biografien zum Vergessen rekonstruiert. Die Verwaltung literarischer DDR-Vergangenheit soll am Paradigma der drei Autorinnen nachhaltig wiederbelebt und einem Publikum (erneut) zugänglich gemacht werden, die im weiterhin männlich konnotierten Kanon des Schulunterrichts und der akademischen Lehre der Literaturwissenschaft vernachlässigt werden sowie auch im literarischen Gedächtnis ehemaliger Leser_innen vergraben zu liegen scheinen. Kaum auffindbar in den Lektürelisten und Bücherregalen ist Reimanns Erzählung Ankunft im Alltag (1961), Morgners umfangreicher Roman Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura (1974) und dessen Fortsetzung in Amanda. Ein Hexenroman (1983) oder Wanders Tonband-Protokolle Guten Morgen, du Schöne von 1977.
So gilt es, Erinnerungsfragmente und Leerstellen mit den Nachlässen der Autorinnen zu verfüllen, um sie über ihr Jubiläum hinaus dauerhaft erinnerungswürdig zu halten und generationenübergreifend lesbar zu machen.
Wer Gelegenheit hat, nach Leipzig zu fahren, sollte sich in dieses Literaturerlebnis stürzen! Danke an MONAliesA für diese Initiative!